Die magische Kooogel (Politli)

Die magische Kooogel (Politli)

Die kosmische Nihilistin Astra ist verkatert. Zum Glück wird sie von Gräfin Fleder besucht. Die beiden führen einen intensiven Dialog.

« … Sonnen implodieren, Galaxien zerstieben, Planeten schmelzen. Ich hasse es allein aufzuwachen. Oh, mein Magen! Warum wirkt das Motilium nicht? Ginger, Widda, Alkohol! Urrrgh. Nie wieder! Der Tag ist verloren. Nur Schrott im Fernsehen. Das Internet unerträglich», monologt Astra, während sie wirr durchs Wohnzimmer des UFOs streift. Die Schränke, Bücher, Astrolabien verschlucken den Schall ihrer Sätze. Sie bemerkt nicht, dass Gräfin Fleder hereinfliegt, ihr Jammern hört, die Augen verdreht, zum Mahagoni-Tisch flattert und die magische Kooogel darauf einschaltet, die dabei «Schwrrstmmlcht» macht. «Huch!», erschrickt Astra, dreht sich um, «Fleder! Pirsch dich nicht so an! Was willst du? Mein Blut, stimmt’s!?» Gräfin Fleder erwidert: « ~ … ~ , ~ ?» – «Nein. Mir geht es nicht schlechter als sonst. Alles ist so katastrophal wie immer.» – « ~ ?» – «Schön, vielleicht hab ich zu wenig geschlafen … » – « ~ ?» – « … und zu wenig gegessen … » – « ~ ?» – « … und mich düster gegrübelt.» –  « ~ ~ ? ~ ~ !» – «Eigentlich mag ich jetzt nicht kooogeln.» Gräfin Fleder patscht auf der magischen Kooogel herum. Smaragd-rubin-bernstein-Wirbel flimmflackschimmern in ihr auf und strahlleuchten auf die UFO-Wohnzimmer-Wände: «in Badehosen / den warmen Teer um die Brunnen / dunkel färben (1) || Drei Brunnen, ein Band / Stülpt sich Wasser übern Rand / Jung – alt; Hand in Hand (2) || Fledermäuse singen, / ungehörte Hymnen / … … … … … (3)». Astra sagt: «Fledermäuse in der Steibi, gefällt dir, hm?» – « ~ ? ~ ~.» – «Denkst du? Der Fledermausschwarm und seine Hymnen ‹vers-sinn-bild-licht-en› das Poetographieren? Weil der Gesang die Orientierung im Raum schafft? Analog der Echooortung?» – « ~ ~ ~ !? » – «Und im Coucou steht, Wiesbaden ist jetzt unsere poetographische Echostadt? Kosmisch!» Gräfin Fleder patscht erneut über die Kooogel. Bilder strahlen empor, es erscheint aber bloss ein Lichtrauschen. «Hm», sagt Astra, «ist wohl eine andere Frequenz.» Sie dreht am Formfrequenzrad, stellt von «Eydu» auf «Haiku» um, nichts passiert, dreht weiter auf «Sonett», «Rondeau», «Leipogramm» und so fort. Irgendwann erscheinen flackernde Poetographien. Astra: «Jetzt sind sie lesbar. Wobei … ich war nie in Wiesbaden. Kenne diese Orte, ihre Geschichten nicht. Mir fehlt das Wesentliche: Das Zusammenspiel zwischen Wort und Ort fehlt mir, das Toposkopieren beim Lesen.» – « ~.  ~ ~!» – «Du meinst, erst durch das poetographische Projekt Wiesbaden verstehen wir das von Winterthur, weil wir erst jetzt kapieren, was es heisst, Poetographien zu ‹lesen›, von denen wir die Orte nicht kennen?» – « ~ ~ ~?» – «Die Poetographien sind schon nicht gleich. Die Wiesbadner Poetographien orientieren sich an einer maximalen Zeichenzahl. Unsere an Silben und Zeilen. Das Poetogene scheint im … AUA!» Astra spürt einen Biss an ihrem Hals. Sie reisst Fleder von sich, ruft: «Immer willst du nur das eine!» Während Astra Fleder an ihrem Flügel in die Küche schleikt, macht diese wehleidige Fledermauspiepsgeräusche. Kurz darauf stellt Astra Fleder einen Tomatensaft vor die Nase. «Trink das, du musst nachher noch fliegen!»

 

1: (Livia Berta: Steinberggasse) 

2: (Nebi Simovic: Steibi)

3: (Julius Schmidt: Steinberggasse nachts)

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