Malin macht sich auf den Weg, um Sybil zu suchen, und verirrt sich dabei selbst. Zwei Schwestern im Irrgarten der Depression. Warum Sybil das Leben derart unerträglich findet, erfahren wir nicht. Vielleicht gibt es keinen fassbareren Grund, als dass das Leben bisweilen eben unerträglich ist. Über Malin erfahren wir mehr: Sie wird aufgrund ihrer Sorge um Sybil ins Land des Unerträglichen hineingesogen.
In unserem Kulturkreis sind etwa 15 Prozent aller Mitmenschen von Depressionen betroffen. Depressionen – so die Definition – sind Zeitabschnitte, die beeinträchtigend von gedrückter Stimmung, Interessensverlust, Freudlosigkeit, von vermindertem Antrieb und erhöhter Ermüdung geprägt sind. Das wiederum bringt dann oft ein vermindertes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, diverse körperliche Beschwerden, mangelndes Konzentrationsvermögen, Suizidgedanken und etliche weitere Einschränkungen mit sich. Eine Depression kann ein einziges Mal im Leben auftauchen oder episodisch immer wieder, manche leiden ihr ganzes Leben lang darunter. Jede Depression ist in ihrer Ausprägung anders. Die Illustratorin Rina Jost erzählt uns zwei mögliche Verläufe.
Sie ist in der Ostschweizer Comicszene bekannt für ihren witzig-melancholischen, spröd-einfühlsamen Stil, mit dem wir schon bei ihrem Comic-Erstling «Der Hase auf dem Rücken eines Elefanten» (Edition Moderne, 2016) verwöhnt wurden. Auch in diesem Nordostasien-Reisetagebuch beschreibt Rina eine Reise durch Länder voller Überraschungen und Überforderungen.
Aber eigentlich sind sie auch total spannend – diese Länder des Überraschenden, Überfordernden und Unerträglichen, bisweilen gar wunderschön. Malin entdeckt beeindruckende Landschaften, trifft auf kurlige Wesen und auf bösartige, hilfsbereite und unbedarfte. Aber Angst ist ihr ständiger Begleiter: die Angst um Sybil, die Angst vor der Gefahr, die Angst, den Ausweg selbst nicht mehr zu finden, die Angst, sich selbst in einen Stein zu verwandeln. Letztlich ist Geduld der Weg aus dem Labyrinth heraus – und es ist ein Glück, wenn man dabei nicht ganz allein ist.
Mein Land der Metaphern sieht anders aus als das von Malin, aber ich kann Parallelen erkennen. Rina Jost hat eine wunderbare Sprache gefunden, das, wofür es kaum Wörter gibt, in berührende Bilder umzusetzen, und ich fühle mich ermutigt, mir meine eigenen Bilder auszudenken. Ausserdem gibt es einen Zauberspruch, der, wenn er aus ganzem Herzen und in voller Überzeugung ausgesprochen werden kann, die Tür ins Leben in diese Welt zurück öffnet. Er steht auf Seite 86.
«Weg» umfasst 120 Seiten und wiegt 488 Gramm.
Agi Schnyder ist Frau Zappa Doing. Sie mag gute Geschichten, am liebsten mit schön gemalten Bildern.










