Immer wieder spüren seine in den letzten zwei Jahrzehnten entstanden Essays der Frage nach: Wie verfremdet die Lichtspielkunst unsere automatisierten Sehgewohnheiten? In den Dokumentarfilmen Jean Painlèves entdeckt er eine Filmsprache, in der Wissenschaft und Fantastik sich noch nicht scheiden. In seinem Blick entpuppen sich die Vorspanne von Mainstream-Erzählfilmen als komplexe Experimentalfilme. Remakes liefern ihm Lektüreschlüssel für die Originalfilme, genauso wie die Originalfilme Lektüreschlüssel für die Remakes liefern. Er plädiert für eine Filmpädagogik, die in Filmen immer Wege zu unbekannten Erkenntnissen sucht. Der Film wird bei ihm zu einem Medium, das uns das Funktionieren der Psyche veranschaulicht. Seine Essays lesen sich süffig. Stets kombinieren sie klare Thesen mit einer Vielzahl von Beispielen. Sie machen Lust darauf, Filme zu schauen. Das ist sicherlich ein Qualitätsmerkmal.
Beim Lesen hat sich mir allerdings immer wieder einmal die Frage zum Buchtitel gestellt: Filme stören die Wahrnehmung, aber wessen Wahrnehmung eigentlich? Meine? Die von durchschnittlichen Zuschauer*innen? Wer genau wäre das? Gibt es diese durchschnittliche Wahrnehmung überhaupt?
«Wahrnehmung stören» umfasst 318 Seiten und wiegt 525 Gramm.
Julius Schmidt ist Redakteur beim Coucou und liebte es, Filmwissenschaft zu studieren.










