



Coucou empfiehlt
Veranstaltungshinweise von Michèle Bischoff, Leander Grünenwald, Lea Schepers und Lynn Vellacott
Winterthurs winzige Feinde
Hintergrund-Reportage über die Winterthurer Ereignisse von 1984 von Julien Felber (Text) und Sammlung Winterthur / Toni Lissoni / Christoph Schürch (Bilder)
Kunst aus Not
Bildstrecke zu Gemälden von Aleks Weber von Sarah Hablützel (Reproduktion Bilder) und Miguel Garcia (Text)
Comic
von Samuel Jordi
Eine tierische Bank
Artothek von Sophia Vogt (Text) und Jonas Reolon (Bild)
In der Vorhölle des Hyper-Pseudo
Kolumne «Die Worte, in denen wir leben» von Julius Schmidt (Text und Bild)
Baumwolle, Kaffee und Kapital
Hintergrund-Reportage zum Thema Kolonialismus in Winterthur von Amina Mvidie (Text + Recherche), Hanna Widmer (Recherche) und Julien Felber (Bilder)
Von eigenwilligen Prinzessinnen und
zerstörerischen Göttinnen
Porträt über Esther Zimmermann von Christina Nanz (Text) und Lara Thomann (Bilder)
Bandraum-Serie Teil II: Beat Keller und Sebass
Kurzinterview mit Beat Keller, Seraphim von Werra und Nehrun Aliev von Andrea Frei (Text) und Laura Rubli (Bilder)
Lost in Time
Kulinarium von Xavier Serra (Text) und Fabian Häfeli (Bilder)
Hör mal
Albumtipps von Claudio Akila, Jule Ertl, Sandra Feller, Mino Okim, Anna Serra und Maya Warth
Lies mal
Buchtipps von Sandro Berteletti und Marina Zwimpfer
Schau mal
Filmtipp von Alessia Albizzati
Page Blanche
von Theres Wey, ohne Titel, 2015
Die Zeichnung lässt an das Meer, Strömungen, Winde, Eis- und Gletscherlandschaften denken, vielleicht aber auch an Marmor oder verschüttete Tusche. Die Farbverteilung wirkt organisch, ausgewogen, das Bild lebt von starken Kontrasten ebenso wie von feinen Nuancen. Die Wörter, die erkennbar sind – «Du», «Wunsch», «Er», «Verwunderung» – grenzen die Assoziationen nicht ein, vielmehr öffnen sie den Raum noch weiter. Dass Theres Wey in ihrem Schaffen die Offenheit sucht, zeigt sich nicht nur in ihren Zeichnungen, Gemälden, Installationen und Fotografien, sondern auch in ihrer Arbeitsweise: Sie überlasse einen Teil der Arbeit gerne dem Zufall, berichtet die Winterthurer Künstlerin. Zum Beispiel, indem sie beim Malen Flüssigkeiten verwendet. Im Falle des Werkes auf der Page Blanche war es ein etwa 5 Millimeter grosser Würfel feuchter indigoblauer Aquarellfarbe, den sie orientierungs- oder ziellos, manchmal auch blind, auf dem Papier herumgerollt und gestossen hat, wodurch erste Spuren entstanden sind. Die Wörter hat sie mit Buchstabenstempeln, mit Wasser und mit flüssiger Farbe eingearbeitet. Einige davon hat Theres im Prozess wieder übermalt – als Begriffe haben sie zwar eine Bedeutung, beim Malen wurden sie jedoch gleichwertig mit der Farbe behandelt. Das Werk ist Teil einer 2015 bis 2018 entstandenen Serie, die sich mit Migration, Europa und dem Meer auseinandersetzt. Gemeinsam verweisen die 7 bis 10 Zeichnungen – für die Künstlerin gibt es keine endgültige Abgrenzung zu anderen Projekten – klar auf diese Thematik. Theres, die Teil der Künstler*innengruppe Winterthur ist und ihre Arbeiten an zahlreichen Ausstellungen gezeigt hat, wählte dieses Werk, weil das Thema immer noch aktuell ist – und weil es im Vergleich mit den anderen vieldeutiger ist. So ergibt sich auf der Page Blanche ein Raum, der offen ist für neue Interpretationen.
Text: Aleks Sekanić
