Poetographistischer Monatsrückblick (Politli)

Das jemals geschriebene Politli. Eine Gattung, die aus kurzen Szenen besteht, die das Universum Winterthur zeigen. Die Figuren (wie die Eydu-Eule; Ginger, der Reporterkater; Astra, die kosmische Nihilistin; Widda, die alternative Barkeeperin) darin begreifen die Welt durch die Poetographie.

(Ein Jingle erklingt – BAA BAA BA BA BA BAAAAA –, ein Gong ertönt – BOOONG –, Lichter schwenken aufs Studiopult. Eine höchst seriöse Stimme aus dem Off sagt: «Hier ist der erste Coucou-Fernwellenkanal mit dem poetographistischen Monatsrückblick. Heute im Studio: die Eydu-Eule.» Die Eydu-Eule dreht ihren Kopf um 180-Grad und starrt direkt in die Kamera)

Eydu-Eule: «Gu-hu-ten Abend, sehr verehrte Winterthurer*innen, schön, dass sie eingeschaltet haben. In der heutigen Sendung thematisieren wir die Rolle der ‹Esskultur› in der Poetographie. Wie unsere Analysten herausgefunden haben, ist die gastronomische Poetogenität ein Cocktail  aus: Eydus über Kaffee im Portier, Lottispiesse in der Schützi, Buchstabensuppe im Oxyd; Wein in der Chnelle und im Kafisatz; Bier vom Kraftfeld, beim Hako, in den Judd-Brünnen. Sie widmen sich Toast und Frühstückstee, Grüze-Brei in der Grüze, Haselnusscreme bestrichenen Omeletten im Radio Stadtfilter und dem Bärlauch im Linsental. Wir haben unseren rasenden Reporter, den Kater Ginger, losgeschickt, um der poetogenitären Ku-hu-linarik Winterthurs auf den Zahn zu fühlen.»

(Schnitt. Auf einem separaten Bildschirm erscheint ein offensichtlich angetrunkener Kater.)

Ginger: «Hallo? Hallo!? Sind wir schon auf Sendung. WIR SIND LIVE!? Heiliges Wollknäuel, schnell, halt meine Katzenminze! Ehm … Ich stehe hier live vor Ort am Kirchplatz und …»

Eydu-Eule: «Himmel und Gewölle noch mal, Ginger! Wie siehst du wieder aus? Verklebte Augen, verfilztes Fell, Sabber an den Schnurrhaaren. Bist du schon wieder verkatert!?»

Kater Ginger: «Was soll das jetzt wieder heissen? Du hast mich auf diese Nachtkultur… …kululu… ehm, Bar-Reportage geschickt! Und die war so intensiv. Ich weiss gar nichts mehr davon! Miau-au-au. Aber zum Glück stehen neben mir die vier schrägen Vögel, die mich gestern begleitet haben! Sagt mal, warum seht ihr so zerzaust aus? »

Atemberaubender Kameraschwenk – grosses Kino! Ginger kotzt.

Elster: «Kräh-krö-krü-kri, wie soll ich sagen, wir waren im Portier und dann: ‹Bähm, Bähm, harter Bass / Kopf gewinn, mega Kafi / Industriequartier›» (Konrad Jacobs)

Rabe: «Kröh-krü-kri-krä, davor hingen wir in der Chnellä mit den ‹letzten Seelen / an der Knelle des Lebens / mit Tetrapack-Wein› … Ei, ei, ei, ei!» (Livia Kozma)

Saatkrähe: «Krih-krä-krö-krü, und waren im Kraftfeld, wie hatte die Hitze gedrückt!, aber ‹zum Glück bekommt man dort schnell / ein kühles Bierchen›» (Dimitri Dünki)

Dohle: Krüh-kri-krä-krö, angefangen hat der Abend in der Schütziwies mit ‹stark tobenden Fans / Pause: ohne Lottispiess / Gesang: ein Kanon›.» (Serafin Denzler)

Kater Ginger: «Und die Moral von der Geschicht? Mancher Abend ist unvergesslich, doch ich erinnere mich nicht … Jetzt brauch ich aber nen Schützibürger. Miau-Tschau.»

Schnitt. Zurück im Studio. (Werbe-Unterbrechung: Kommen sie zum Coucou-Biss im Lindengutpark. Der einzige Imbiss mit Brotkrumen angereicherten Wurm-Fritten. Jetzt neu mit Fly-In. Probieren sie auch unseren neuen Vogelbeerendip. ‹Coucou-Biss: Du musst essen, denn alles andere ist fasten.› Ende Werbe-Unterbrechung) Die Eydu-Eule im Studio: «Nu-huhu-n, wenn uns die Gonzo-Reportage unseres pelzigen kleinen Weingotts etwas gelehrt hat, dann wohl, dass man den Bereich des Genusses und des Deliriums nicht von der Ku-hu-linarik trennen kann. Damit kommen wir zum zweiten Teil unserer Sendung, in dem das Essen im Fokus steht. Wir schalten nun also live in die Küche der Kyburg zu unserem Wildschwein Agasul.»

Schnitt. Agasul: «Bonjour meine petit Hibou. Eute kochen wir un recette classique dü Winterthur, nämlisch eine Pesto du Bärlauch. Alle seine Ingrédients finden wir in Eydüs. Beginnen wir mit die wichtigste Ingrédients, den Büchennüssen. Sie geben dem Pesto das Surplus, das Savoir-vivre, verleihen dem Ganzen das gewisse Je-ne-sais-quoi: ‹Regenwasser rinnt / Über graue Büchenrinde / Malt dünkle Linien› (Katja Kunz). Es ist ünglaublisch wischtig, dass ihr sie in einer Pfanne einige Minuten anröstet, denn brut, wie sagt man, ehm, «roh» sind sie giftig. Ihr müsst davon etwa 25g zermörsen. Dann müsst ihr eine Hand voll Bärlauch hinzufügen, etwa 100g. Ihr könnt sie zerkauen und in die Schale spücken oder sie direkt mit eine Mörser in die Schale zerkleinern. Es ist amüsant, einmal hat misch eine Eydüist beim Sammeln im Linsental poétographiert: «Der Bärlauch blüht weiss / Wildschweine versteckt am Hang / Goldgräber hoffen» (Elias Tacheron). C’est la vie! Neben die Linsental ist der Hang der Kyburg eine güte Ort um Bärlauch zü sammeln. Zum Abschluss ihr müsst ajouter 100g Olivenöl, 75g Parmigiano, Zitronensaft et un pris du sel: ‹püngent wild garlic / strewn across the chopping board / with cheese and nüts, mmm....› (Fiona Kofmel). Et voila, es ist fertig, eine kleine petit mort!»

Schnitt. Eydu-Eule: «Danke Agasul. Und damit, geehrte Winterthurer*innen sind wir am Ende der Sendung angelangt. Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, wenn wir die potenzsteigernde Wirkung der Poetographie auf Eyduist*innen untersuchen!»

(Zoom raus. Abschlussjingle – BAAAAA  BA BA BA BAA BAA. Die Eydu-Eule ordnet auf dem Studiopult Blätter. Spreizt ihre Flügel und flattert aus dem Bild.)

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