Der Reparateur

Der Reparateur

Der Trend zurück zum Analogen kam für ihn genau richtig. Pascal Vogel hat seine eigene Werkstatt, in der er Tonbandgeräte und Plattenspieler wieder zum Laufen bringt.

Rechts beim Eingang hängen schicke Rennvelos an der Wand. Eine gemütliche Ecke mit Sesseln und Tischchen ist davor eingerichtet. Überall stehen zusammengefaltete Schachteln. Bin ich hier richtig? Mein Blick in den Raum findet Regale, worin sich unzählige Verstärker, Boxen und Tongeräte stapeln. In diesem Moment sehe ich dahinter rote Haare auf mich zukommen. Ich bin richtig.

Die im Metallgestell aufgereihten Geräte sind offene Aufträge. Inzwischen beschäftigt der Reparateur, wie sich Pascal Vogel nennt, eine Praktikantin und zwei bis drei Teilzeitange-stellte. Dass sein Geschäft floriert, hat nicht nur den Grund, dass Vinyl und Vintage wieder angesagt sind. «Früher konnte man sein Gerät für die Reparatur in denselben Laden bringen, in dem man es gekauft hat», heute bieten Grossfirmen diesen Service nicht mehr an. Auch seine Konkurrenz umgeht er clever. Auf seiner Website teilt er sein Know-how, erklärt beispielsweise, wie man Sonos-Boxen öffnet und flickt. Die Anleitungen zeigen Goodwill und Kompetenz. Das gefällt der Community. Angst, damit Kund*innen zu verlieren, hat Pascal nicht: «Die meisten Leute bringen ihre Geräte trotzdem vorbei, da es ihnen zu heikel ist, sie selber aufzuschrauben.»

 

Ein zweites Leben einhauchen

Der gelernte Elektroniker und Softwareingenieur reparierte zuerst zu Hause und dann beim Osttor, in einem zwölf Quadratmeter kleinen Raum, allerlei Elektrogeräte. Das Osttor bietet am Ende der Winterthurer Altstadt Hallen, Räume, Werkstätte und damit einen Ort, um sich auszutauschen. Vor knapp zwei Jahren, als er zusammen mit seinem Kollegen Elie, der das Fahrradgeschäft «RenneR» führt, ins jetzige Atelier zog, begann er sich auf bestimmte Marken und Geräte zu konzentrieren. Am liebsten repariert er solche von ReVox, eine Marke, die nach wie vor einen guten Namen in der Tontechnik hat. «Sie sind sehr wartungsfreundlich gebaut, da sie gut dokumentiert sind», sagt der 29-Jährige. Dass die heutigen Anlagen nicht mehr so oft geflickt werden, liegt nicht nur daran, dass sie viel günstiger sind als früher. Sie seien auch viel schwieriger zu reparieren: Oft wird verklebt, was früher verschraubt wurde, und das heute kompakte und verwinkelte Design lässt nicht mehr viel Platz für Hände, die im Gerät noch etwas reparieren sollten.

«Wenn Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft wichtiger wird, und ich denke, das wird er, vergrössert sich auch der Reparaturenmarkt», sagt Pascal Vogel. Er mag es, den Geräten ein «zweites Leben einzuhauchen». Trotzdem sei dieser Aspekt in seiner Arbeit lediglich ein schöner Nebeneffekt. «Die meisten Leute bringen ihre Geräte aus emotionalen Gründen zu mir.» Der Plattenspieler, der vom Vater geerbt oder das Tonband, das vom ersten eigenen Lohn bezahlt wurde.

 

Ab ins Zeughaus

Pascal Vogel arbeitet auch als Tontechniker für verschiedene Bands, organisiert das Heizwerk-Festival am Bodensee und den Dichtungsring im Albani mit. Er und sein Kollege Elie laden zudem Bands in ihr Atelier ein. Es gefällt ihm, sich kulturell zu engagieren: «Ich bin vor allem wegen des breiten Kulturangebots nach Winterthur gezogen». Aufgewachsen ist Pascal am Bodensee.

Sein Netzwerk ist gross und wird weiter wachsen. Im kommenden Jahr zieht er gemeinsam mit dem «RenneR» ins ehemalige Zeughaus, da sie im Moment in einer Zwischennutzung an der Tösstalstrasse untergebracht sind. Er freut sich darauf: «Das Atelier wird flächenmässig zwar kleiner, aber das Projekt ist super.»

Mit seinem Reparaturgeschäft hat er noch einiges vor: «Mit der Zeit würde ich gerne mehr Mitarbeitende anstellen können». Und selbstständig heisst für ihn auch unabhängiger. «Der Weg ist zwar nicht leicht, aber ich kann meine Zukunft selber aufbauen.» Und welche Geräte repariert er in ein paar Jahren, wenn er Festangestellte hat? «Na, hoffentlich nicht die, die bereits auf meinem Tisch lagen.»

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