Ein guter Beobachter

Ein guter Beobachter

Bücher und Spiele zu entwickeln sei, als würde man Briefe in die Welt senden, ohne die Empfänger und Empfängerinnen zu kennen, sagt Daniel Fehr. Manchmal komme dabei sogar etwas zurück.

Daniel Fehr sitzt an einem Tisch im Garten der Coalmine und nippt am hausgemachten Eistee. Seine Beine, welche in langen Hosen aus rosafarbenem Stoff stecken, hat er lässig überschlagen. Violett-, Rosa- und Schwarztöne trage er am liebsten, sagt der 38-Jährige. Auf die Frage, was ihm an Winterthur gefällt, antwortet er verwundert, er sei hier aufgewachsen. In Oberwinterthur, und obwohl dies eine präzisere Beschreibung wäre, findet er, sie sei ungenauer. «Winterthur» bringe besser zum Ausdruck, wo er lebe. Er schaut zum Himmel und überlegt einen Moment, dann meint er, es sei die Vertrautheit, welche ihm an Winterthur so gefalle, die gäbe es zwar auch anderswo, er erlebe sie aber hier.

Daniel ist Spielentwickler, (Bilderbuch-)Autor und Projektleiter des Schweizer Vorlesetages. «Ich mache gern verschiedene Dinge gleichzeitig. Das eine inspiriert das andere», erklärt er. So kam kürzlich ein Familien-Gesellschaftsspiel bei Ravensburger von ihm heraus, «Woodlands», das erzählerische Elemente hat. Umgekehrt sind viele seiner Bilderbücher stark spielerisch geprägt, etwa «Mr Left and Mr Right», bei dem die beiden Protagonisten versuchen von einer Buchseite auf die andere zu kommen. Inspiration für seine Arbeiten findet er auch in seiner Kindheit, so für eines seiner jüngsten Bücher namens «Hannas Hosentasche». Ein Freund von ihm hätte als Kind immer unglaublich viele Dinge in seinen Hosentaschen gehabt, einige davon so klebrig, dass sie zusammen beinahe zu einem Stück wurden, während er selbst schon damals immer aufgeräumte Hosentaschen gehabt hatte, erzählt er lachend. Diese Eigenheit der Hosentaschen und die Verschiedenheit dieser kindlichen Taschen haben ihn interessiert und daraus sei ein Bilderbuch entstanden. Daniel ist beeindruckt, wenn er davon spricht, was mit seinen Büchern und Spielen geschieht, sobald sie herausgegeben werden: «Sie werden in die Welt hinausgetragen, und ich muss eigentlich nicht mehr viel dazu tun, sie erhalten ein Eigenleben. Ich höre dann von Erwachsenen, die an Veranstaltungen mein Buch vorlesen, und dort sitzen wieder Kinder und hören zu. Das ist sehr schön!» Bei seiner Arbeit als Bilderbuchautor hat Daniel immer den Anspruch, dass ein Buch sowohl für Erwachsene als auch für Kinder funktioniert. Ansonsten könnten die Erwachsenen die Begeisterung beim Lesen gar nicht vermitteln. «Ich glaube, was beim Entwickeln von Spielen und Schreiben von Büchern hilft, ist, wenn man selber Freude hat an Verspieltheit, neugierig ist und sich gern Sachen ausdenkt, die man als Kind selbst lustig gefunden hätte.» Bilderbücher als Kunstform hätten ihn schon als Jugendlichen fasziniert und er sammle sie noch heute – denn sie seien kurz und haben Bilder, meint er schmunzelnd.

Daniel sagt von sich selbst, er sei ein visueller und konzeptuell denkender Mensch. So sei es auch die inszenierte Fotografie gewesen, die ihn zum Fotografiestudium an der Zürcher Hochschule der Künste bewegte. Danach studierte er gleich noch einmal, diesmal in New Jersey, an der Princeton University: Germanistik und Medienwissenschaft. Nach dem Studium der Bilder folgte das Studium der Texte. Auf die Frage, weshalb er sich für ein Germanistikstudium in Amerika entschieden habe, antwortet er, dass es für ihn eine Chance war, an einem wissenschaftlich spannenden Ort zu studieren und gleichzeitig eine fremde Kultur kennenzulernen. Er absolvierte bereits während seines Fotografiestudiums ein Auslandsemester in New York und merkte, dass ein halbes Jahr nicht reicht, um individuelle von kulturellen Prägungen zu unterscheiden. «Mir ist zum Beispiel erst dann aufgefallen, dass mir die innereuropäischen Unterschiede weniger gross scheinen, als jene – ich will es stark sagen – zwischen dem Europäischen und dem Amerikanischen.» Die Beiläufigkeit, mit welcher er dies sagt, zeigt, wie selbstverständlich es für ihn ist, sein Umfeld mit grosser Aufmerksamkeit und Neugier wahrzunehmen.

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