Leylah

«Kultur ist kein Luxusgut»

Sie ist Bassistin, Fotografin, Programmmacherin und Kulturliebhaberin. Leylah Fra ist in Winterthur geboren und hat ihr Herz an die Kultur und vor allem an die Musik verloren.

Ihr dunkles Haar folgt zeitlich leicht verzögert ihren Bewegungen. Ihre Füsse brechen aus dem unsichtbaren Nicht-Übertreten-Kreis, den viele junge Musikerinnen und Musiker auf der Bühne um sich herum zeichnen. Besonders Bassistinnen und Bassisten stehen manchmal etwas abseits, ganz still und unscheinbar. Erst wenn sie nicht mehr spielen, merkt man, dass etwas fehlt. Leylah Fra ist keine typische Bassistin. Sie tanzt, sie bewegt sich. Sie ist mit ganzem Herzen dabei. Und das nicht nur bei ihrer Band Death of a Cheerleader. 

«In der Schweiz gibt es so viele gute Bands, von denen man nichts hört», sagt Leylah Fra. Sie arbeitet als Programmmacherin im Albani und weiss deshalb genau, wie viel Potenzial die Schweizer Musikbranche hätte. «Es ist einfach himmeltraurig, was für einen Stellenwert Schweizer Musikschaffende im Ausland haben», sagt sie, «sie werden nicht wahrgenommen und schon gar nicht gefördert». Ihr ist es ein Anliegen, dass Musik an Bedeutung gewinnt. Das sei aber nur möglich, wenn Musik in der Schule schon früher zum Thema wird. Beispielsweise durch Workshops, die jungen Menschen zeigen, wie grossartig Musik ist.» So kam auch sie zum ersten Mal mit einem Bass in Berührung. «Nach dieser Begegnung war mir klar, dass ich Bass spielen lernen wollte.»

Die Fotografie trat erst mit dem Studium an der Zürcher Hochschule der Künste (ZhdK) in ihr Leben: «Im Vorkurs habe ich gemerkt, dass mir Fotografie eigentlich ganz gut liegt.» Sie habe nach ihrem Studium auch eine Zeit lang davon leben können: «Aber Auftragsfotografie ist einfach nicht das, was ich machen möchte.» Dass Leylah Fra ihr Herz eigentlich schon lange an die Musik und nicht an die Fotografie verloren hat, merkt man. Wenn sie darüber spricht, was Musik in ihr auslöst, beginnen ihre Hände grosse Gesten zu formen. So, als ob Worte alleine nicht genügten. Ihr geht es nicht nur darum, Musik zu machen. Sie fühlt sich auch als Zuhörerin wohl. Vielleicht liegt das auch an der Wirkung, welche die Musik auf sie hat. «Wenn ich auf der Bühne stehe, brodle ich vor Energie, das merkt das Publikum wahrscheinlich auch.» Das sei auch der Grund, weshalb sie nie einfach ruhig dastehen könne. «Das Publikum wiederum nimmt diese Energie auf.»

Obwohl sie lieber auf der Bühne ist, steht sie sicherlich noch öfter an deren Rand. Neben Konzertbesuchen in der Umgebung ist sie eine super organisierte Festivalbesucherin. Während die meisten von einem Konzert zum nächsten schlendern, oder die Musik sogar nur aus der Ferne wahrnehmen, steht sie mit ihrem Zeitplan in der Hand bei unzähligen Konzerten ganz weit vorne. «Ein so striktes Festivalprogramm machen nicht viele mit.» Sie spricht aus Erfahrung. Mit ihrem Bruder hat sie den perfekten Festivalbegleiter gefunden. Genau wie sie, liebt er die Musik. Omar Fra ist der Sänger von Death of a Cheerleader. Wie sehr sich ihre Musikvorlieben ähneln, zeigte sich kürzlich bei «Karma Police», ihrer gemeinsamen Sendung auf Radio Stadtfilter. Sie bereiten sich jeweils individuell vor und spielen dann möglichst unbekannte Songs. «In einer der letzten Sendungen haben wir zum ersten Mal denselben Song vorbereitet.»

Leylah Fra hat sich entschieden, ab Januar neue berufliche Wege zu gehen. Also so neue dann doch nicht: «Es hat auch mit Musik und Kultur zu tun.» Auf die Frage hin, was denn Kultur für sie bedeute, lehnt sich Leylah Fra nach hinten. Man merkt ihrer Körperhaltung an, dass sie gerade überlegt, wie sie all das in Worte fassen könnte, was sie eigentlich sagen will. Sie könnte ewig über dieses Thema reden. Sie möchte Kultur allen zugänglich machen. «Kultur ist für jede und jeden da, sie ist kein Luxusgut. Aber es ist vielleicht ein Luxusgut, sich Zeit für Kultur zu nehmen.»

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