Ursula Bienz, Bild: Nadine Wiederkehr

Gastgeberin der Fantasiewelt

Ursula Bienz entführt ihre Gäste in die Welt der Figuren, Puppen und Marionetten. Die Leiterin des Marionettentheaters liebt die Qualität im Leisen.

Ursula Bienz ist eine geborene Gastgeberin. Mit einem warmen Lächeln und ausgebreiteten Armen empfängt sie mich an der Tür zum Theater im Waaghaus. Auf dem Tisch stehen Wasser und Nüsse bereit, die Kaffeemaschine ist vorbereitet, aber die Milch fehlt noch. «Einen Augenblick», sagt sie und verschwindet, um wenig später wieder mit zwei Schalen frischen Beeren und Milch aufzutauchen.

«Die Menschen im Theater willkommen zu heissen und sie in diese Welt einzuführen, das liebe ich an meinem Beruf», erzählt die administrative und künstlerische Leiterin des Marionettentheaters. Die Leidenschaft, mit der sie ihren Beruf ausübt, spürt man sofort. Ursula ist eine gute Erzählerin. Im Gespräch spricht die gelernte Kindergärtnerin oft in Metaphern aus der Märchenwelt, zum Beispiel von ihrem Schlüssel zum Königreich, den sie als Jugendliche erhielt, um 
das Theater selbst auf- und zuzuschliessen.

Das Interesse für die Puppen an den Fäden packte Ursula bereits als Elfjährige. Über ihre Eltern kam sie in die Welt der Marionetten. Als 15-Jährige ging sie im Marionettentheater ein und aus und half die Kulissen aufzubauen. Ursula hat als Kindergärtnerin, Sigristin in der Kirche und im Büro des Malergeschäfts ihrer Familie gearbeitet. Sie kam aber immer wieder zum Marionettentheater zurück. «Die Figuren kamen zu mir, sie haben mich geholt», meint die heute 56-Jährige über ihre Beziehung zu den Puppen. Im Reich der Marionetten lernte sie auch ihren späteren Mann kennen und übernahm 2001 die Leitung des Marionettentheaters, das von den Schwiegereltern Trudi und Peter Bienz gegründet wurde.  

Graue Locken umrahmen den Kopf von Ursula. Ihre Augen blinzeln durch die randlose Brille, wenn sie mit leiser, leicht verstellter Mädchenstimme aus einer Erdbeere ein Rotkäppchen werden lässt. Immer wieder fällt sie während des Gesprächs in ein kleines Thea-terspiel und zeigt mir, wie sie beispielsweise aus einer Serviette etwas Lebendiges werden lässt. Dabei strahlt sie, wenn sie von den unendlich vielen Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen, schwärmt.

Das Theater ist für Ursula nicht nur Beruf, es ist Berufung. So trennt sie auch nicht zwischen  Arbeit und Freizeit, es verfliesst alles miteinander. Der Garten ist ihr aber wichtig, Unkraut jäten zum Beispiel. «Ich arbeite gerne mit der Erde», sagt sie und beisst in eine Erdbeere. Die Familie ist der vierfachen Mutter ebenfalls von grosser Bedeutung. Die Veltheimerin ist in einer grossen, musikalischen Familie aufgewachsen. «Wir haben viel gesungen, vor allem Klassisches.» Daneben spielte sie Querflöte, Gitarre und sang a cappella. Im Jugendalter spielten die Musik und das Pantomimenspiel eine grössere Rolle. Die vier Kinder von Ursula sind heute ebenfalls sehr mit dem Marionettentheater verbunden, arbeiten teilweise mit. Zwei sind auch beruflich in der Theaterbranche tätig.

Besonders viel Freude bereiten der Kultur liebhaberin Projekte mit Jugendlichen. Sie bietet ihnen im Theater eine Bühne. Dort möchte sie Raum schaffen, damit die Jugendlichen ihr Potenzial entwickeln können. «Raum schaffen» – dieser Ausdruck fällt oft in unserem Gespräch. Ursula schafft Raum für Fantasie und Akzeptanz, für die Möglichkeit, sich und anderen immer wieder die Chance zu geben, sich selbst zu sein  «jedes Mal auf eine andere Art, wenn man das möchte.»

Und was bringt die Zukunft? «Jeden Tag einen Augenblick Zeit um Zeit zu haben. Da bleib ich dran!» Sehr gerne möchte sie Einladungen von internationalen Figurenbauerinnen und -spielern annehmen und sie in ihren Wirk- und Werkstätten besuchen. Aber das kann noch einen Moment warten. Denn kaum beenden wir unser Kaffeekränzchen, begrüsst sie schon ihren nächsten Besuch auf ihre herzliche Art. 

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