Kulturaustausch mit Schutzkonzept

Kulturaustausch mit Schutzkonzept

Die Corona-Krise stellt die Veranstalter*innen der vierten Kulturnacht vor einige Herausforderungen. Ein Gespräch über die diesmal etwas andere Entdeckungstour in 15 Kulturinstitutionen.

Laura Lanfranchi: Auf eurer Webseite steht: «Die 4. Kulturnacht Winterthur findet am 26. September statt!» Das klingt definitiv. Könnt ihr mit Sicherheit sagen, dass die Kulturnacht dieses Jahr stattfinden wird, während in den Medien bereits von einer zweiten Corona-Welle gesprochen wird? 

Daniela Zingg: Nein, sicher können wir nicht sein. Momentan dürfen sich bei Veranstaltungen 300 Leute versammeln. An der Kulturnacht ist jede Institution selbst verantwortlich für ihr eigenes Schutzkonzept, so würden vermutlich Personen abgewiesen, sobald die Anzahl erlaubter Besucher*innen erreicht ist. Hierbei hat die Kulturnacht anderen Events von gleicher Grösse gegenüber vielleicht einen Vorteil, weil sie an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Lokalitäten stattfindet und sich die Leute somit verteilen. Aber wir haben halt keine Sicherheit – was das Schutzkonzept angeht, müssen wir flexibel bleiben und auf die massgebenden Richtlinien reagieren, wie sie im September vorgeschrieben sein werden.

 

LL: Angenommen die Lage verändert sich nicht mehr ausschlaggebend; was erwartet die Leute dieses Jahr und worin unterscheidet sich die Kulturnacht von einer Museumsnacht?

DZ: Die Grundidee besteht darin, dass verschiedene Kulturinstitutionen Gastinstitutionen bei sich empfangen und dadurch eine Durchmischung der Kulturszene stattfinden kann. Gastgeber*innen sind hauptsächlich Museen, aber auch die Alte Kaserne und die Stadtbibliothek gehören dazu. Der Unterschied zu einer Museumsnacht liegt zum einen darin, dass nicht nur Museen, sondern auch andere Kulturinstitutionen involviert sind, und zum anderen in diesem Austausch zwischen den Institutionen. Dieses Jahr sind 30 Institutionen involviert – manche sind jedes Jahr dabei, andere neu dazugekommen.

 

LL: Wird das Programm thematisch jeweils der Gastgeberinstitution angepasst?

DZ: Das ist unterschiedlich, aber teilweise schon. Dieses Jahr ist das Casinotheater zum Beispiel im Naturmuseum zu Gast und präsentiert dort die Komikerin Jane Mumford mit ihrem Programm «Reptil». Oder im Fotomuseum wird das Figurentheater auf die Ausstellung «Street. Life. Photography» eingehen. Die grosse Idee der Kulturnacht war einerseits der Austausch der kulturellen Vielfalt in Winterthur, andererseits aber auch der Austausch zwischen dem teilweise eher festgesetzten Zielpublikum; so kommen beispielsweise Kunstmuseumsbesucher*innen auch mal mit dem Technorama in Kontakt oder Kinoliebhaber*innen gehen ins Gewerbemuseum.

 

LL: Wann wurde mit der Planung begonnen, und wie war es, einen Event zu organisieren, ohne zu wissen, ob er stattfinden wird?

DZ: Die Planung begann eigentlich gleich nach dem Ende der letztjährigen Ausgabe. Während des Lockdowns war die Organisation zwar für kurze Zeit stillgelegt, aber die meiste Arbeit im Verein war bereits getan. Wir haben letztes Jahr das Layout geändert und uns anstelle des Plakats für ein Programmheft entschieden. Dieses Jahr mussten wir nur noch die Farbe neu wählen. Ansonsten war es viel Koordinationsarbeit für den Organisatoren Pascal Mettler. Er stellte das Programmheft zusammen und war mit den Institutionen in Kontakt. Die Bekanntgabe des Programms war dieses Jahr wegen des Lockdowns ein wenig verzögert, ansonsten verlief die Planung ziemlich ähnlich wie in den vorherigen Jahren.

 

LL: Wie sieht Plan B aus, falls sich die Situation bis Ende September stark verändert?

DZ: Einen Plan B gibt es nicht. Wir werden keine «halbe Kulturnacht» durchführen. Entweder findet sie statt oder wird abgesagt. Da der Event nicht mehr im Zweijahresrhythmus, sondern nun jährlich stattfindet, könnte die diesjährige Ausgabe im Notfall auch auf nächstes Jahr verschoben werden. Dafür müsste aber mit den einzelnen Institutionen abgeklärt werden, ob das für alle infrage käme.

 

LL: Während dieser aussergewöhnlichen Zeit wurden kulturelle Angebote immer mehr in den virtuellen Raum verlagert. Habt ihr während der Planung auch mal an eine Online-Alternative gedacht? Und siehst du in solchen Formaten eine Zukunft für die Kultur?

DZ: Im Fall der Kulturnacht macht eine reine Online-Veranstaltung keinen Sinn. Niemand setzt sich am 26. September am Abend vier Stunden vor den Bildschirm, um eine virtuelle Kulturnacht zu verfolgen. Es geht bei diesem Anlass darum, dass sich die Besucher*innen in verschiedenen Räumen bewegen und sie unterschiedliche Institutionen entdecken. Ich sehe zwar für die Kultur viel Potenzial in digitalen Formaten, aber immer als Ergänzung zum Objekt und nicht als Ersatz. Ich denke nicht, dass wir jemals vom Objekt wegkommen werden.

 

Das Interview mit Daniela Zingg, Direktorin des

Naturmuseums und Vorstandsmitglied der

Kulturnacht Winterthur, hat Laura Lanfranchi

am 20. Juli geführt.

 

Kulturnacht

1. September, 18 bis 24 Uhr

Pauschaleintritt: CHF 12

In 15 Museen und Kulturinstitutionen

www.kulturnachtwinterthur.ch

 

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