Mit einer einzigen Linie hat der Winterthurer Dominik Heim diese Zusammenkunft von fünfzehn Persönlichkeiten unterschiedlicher Herkunft geschaffen. Einige von ihnen sind gut erkennbar: Minnie Mouse sitzt keck auf dem Boden und winkt dir zu, Marge Simpson mit ihrer aufgetürmten Frisur kannst du auch ohne die gelbe und blaue Farbe identifizieren und ein Skelett blickt dir aus seinen zwei Augenhöhlen leer entgegen. Bei anderen ist für die Identifikation die Hilfe des Künstlers notwendig: So handelt es sich bei der Figur mit Beinprothese um Kapitän Ahab, dessen Bein von Moby Dick verschlungen worden ist. Links ereignet sich eine dramatische Szene zwischen einem viktorianischen Liebespaar – verliebt stehen sie vor der Queen und neben dem Michelin-Männchen. Und rechts halten zwei Massai-Krieger die Stellung und beschützen die Eingangshalle des Schulhauses.
Gemeinsam mit weiteren im Schulhaus verteilten Graffiti-ähnlichen Werken ist das Willkommenskomitee Teil des Projekts «tags», mit dem Heim 2008 den Kunst-am-Bau-Wettbewerb für das neue Schulhaus Sennhof gewann. Der Begriff «tags» stammt aus dem Graffiti-Jargon und bezeichnet die Signatur eines Sprayers im öffentlichen Raum. Zwar wurde das Werk weder gesprayt noch sind Buchstaben abgebildet, dennoch erinnert das Anbringen von linienartiger Kunst an eine Wand an Graffiti. Laut Heim soll die Linie gleichzeitig an die «Schnürlischrift» erinnern, passend zur Räumlichkeit des Schulhauses. Das Kunstwerk schafft somit eine Verbindung zwischen der oft mit Illegalität verbundenen Graffiti-Szene und der gesetzlich festgelegten Schweizer Schulschrift.
Kontraste kommen in Heims Œuvre vermehrt vor. In seinen Ölgemälden verflechtet er diverse Motive miteinander, wodurch die einzelnen Gegenstände und Figuren teilweise kaum zu erkennen sind. So formt Heim aus Verschiedenheiten eine Einheit – wie auch im Schulhaus Sennhof.
Gewiss sind schon etliche Schulkinder tüftelnd vor dem Werk gestanden. Ob die Kinder nach dem Gong hin und wieder, absorbiert von den Figuren, zu spät zum Unterricht kommen? Auch wenn sie die «Schnürlischrift» seit 2016 nicht mehr lernen, sorgt «tags» bestimmt für geistige Anstrengung.
Chelsea Angel Neuweiler studiert Gemanistik und Kunstgeschichte an der Universität Zürich.
Jonas Reolon ist Fotograf und Kameramann aus Winterthur.










