Die Brunnen mit dem «Lochskandal»

Die Brunnen mit dem «Lochskandal»

Das Werk von Donald Judd ist vielen aufgrund der Lage im Zentrum der Altstadt bekannt. Was zunächst jedoch verborgen bleibt: Die Brunnen waren in einen «Lochskan-dal» verwickelt, der sogar in New York Schlagzeilen machte.

Die drei ellipsenförmigen Werke aus Beton und Kunststein weisen im Innern je ein grosses Loch auf, welches in der Sommerzeit mit Wasser gefüllt ist. Im Osten, auf der Höhe des Bolli Textilwarenladens, befindet sich der höchste Brunnen, die anderen zwei sind kontinuierlich tiefer konstruiert und gen Westen angelegt. Die Höhendifferenz sorgt dafür, dass sich die drei Wasserspiegel trotz geneigten Bodens auf demselben Level befinden. Doch es sind nicht diese gefüllten Brunnenlöcher, die damals den Skandal auslösten.

Holen wir etwas weiter aus: Als 1986 beschlossen wurde, dass die Steinberggasse autofrei gemacht werden sollte, fragte die Stadt Winterthur den US-amerikanischen Künstler Donald Judd für die Neuplanung der Gasse an. Die vorgeschlagene Brunnenanlage wurde jedoch schnell wieder verworfen, da sie der Stadt ein grosses Loch in das Portmonee gerissen hätte. Aber auch dieses Loch war nicht der Ursprung des Skandals. Denn glücklicherweise war es möglich, mit minimiertem Budget und einem zusätzlichen Fundraising das Projekt doch noch zu realisieren.

Als Vertreter der Minimal Art vermied Donald Judd die symbolische und metaphorische Aufladung seiner Werke: Die Brunnen sollten ausschliesslich als solche dienen. Doch während Brunnen ursprünglich für Wassergewinnung verwendet wurden, verfügen diese heutzutage vielmehr über einen ästhetischen oder spassigen Charakter. Dies unterstreicht auch die Wasserqualität der Judd-Brunnen, deren Mindestanforderung «Badequalität» ist.

In den Wintermonaten wird nicht gebadet – die Brunnen sind leer und werden abgedeckt. Im Jahr 2014 mussten die morsch gewordenen Holzabdeckungen durch neue Leichtmetalldeckel ersetzt werden. Um diese zu verankern, wurden je zehn Löcher in die Tröge gebohrt. Es waren diese Löcher, die den Kunstskandal verursachten: Der lockere Umgang mit den Kunstwerken stiess auf Empörung. Die Löcher wurden also wieder geschlossen. Doch wer beim sommerlichen Planschen genau hinschaut, kann die Spuren des internationalen «Lochskandals» hier und dort noch erkennen.

Chelsea Angel Neuweiler studiert Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Zürich.

Jonas Reolon ist Fotograf und Kameramann aus Winterthur.

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