Mit Nahaufnahmen bisher Unentdecktes aufdecken

Mit Nahaufnahmen bisher Unentdecktes aufdecken

Wer aus dem grossen Westfenster der Kantonsschule Büelrain schaut, wird den Blick nicht über den Schulhausplatz schweifen lassen können, sondern einen Falkenflügel betrachten.

Je nach Intensität des Sonnenlichts wird der Schwarz-Weiss-Kontrast des Bildes stärker oder schwächer, und der Flügel erscheint mal wuchtiger, mal weicher. Der Foto-Siebdruck mit dem Titel «Flügel» von Balthasar Burkhard ist aufgrund des Aufdrucks auf Fensterglas jedoch nicht nur für die Schüler*innen und Lehrpersonen vom Gebäudeinneren aus ersichtlich, sondern auch für die Fussgänger*innen draussen.

Der Berner Fotograf kombinierte bei dem «Werk am Bau»-Projekt seine Leidenschaft für die Fotografie mit seinem Interesse an Architektur: Er greift mit der Nahaufnahme eines Falkenflügels spielerisch die Monumentalität, den Rhythmus und die Wiederholungen des Gebäudes auf. Das Muster der Fassade ist dementsprechend im Gefieder wiederzufinden. Auch anhand der Farbwahl fügt sich das Werk in die Aussenseite der Kantonsschule Büelrain ein. Der grünlich-milchige Hintergrund der Fotografie sorgt allerdings für eine – wenn auch kleine – Überraschung für das Auge: Das Werk geht nicht komplett im Grau der Fassade unter und fällt dadurch den Betrachter*innen auf.

Der facettenreiche Künstler fotografierte in seiner Karriere eine Vielzahl an Motiven wie Landschaften, Menschen, Tiere, Architekturen, Stillleben und Pflanzen. Sein Vater – einer der ersten Swissair-Piloten – weckte seine Leidenschaft für die Höhe. Daraus resultierten zahlreiche Fotografien aus der Luft, mitunter eine aus dem Flugzeug geschossene Alpenserie und eine Vogelflügel-Serie. Obwohl es im 20. Jahrhundert zu rasanten technischen Entwicklungen kam, wie beispielsweise die Entstehung der Farbfotografie, blieb Burkhard bei der klassischen Schwarz-Weiss-Fotografie. Er schaffte es, mit einzigarten Nahaufnahmen Ansehen zu erlangen – vor allem in der Schweiz und in den USA. Mit seinen Vergrösserungen von Sujets lenkt er die Aufmerksamkeit auf Details und auf das Unentdeckte: Beim Werk an der Kantonsschule sind es die zahlreichen Facetten eines einzelnen Flügels. Mit dieser Darstellungsweise erreicht Burkhard eine Veränderung der Wertigkeit des Motivs. Infolgedessen lässt «Flügel» die Betrachter*innen nicht mit der Frage «Wo ist nun der Rest des Falken?» zurück, sondern lädt dazu ein, etwas Bekanntes neu zu entdecken.

Chelsea Angel Neuweiler studiert Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Zürich.

Jonas Reolon ist Fotograf und Kameramann aus Winterthur.

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