Findet mich

Findet mich

«Die Welt, in die ich geboren werde, besteht aus Spannteppichen», erzählt Florence, eine der Hauptfiguren im Romandebüt von Doris Wirth.

Die Spannteppiche stehen für Spannungen, für konservative Konzepte, für Abgenütztes. Der Vater von Florence heisst Erwin. Seine Bemühungen, die eigene Zerrissenheit auszuhalten, schlagen fehl. Von seinem Scheitern wird manchmal komisch, oft melancholisch, doch immer in präzisen, überraschenden Bildern erzählt, die es schwermachen, das Buch aus der Hand zu legen. Erwin hatte selbst einen strengen Vater, seinen zwei Kindern will er ein verständnisvoller, zugewandter Vater sein. Sein Erfindergeist trägt ihn über manche kritische Situation hinweg, doch der Jähzorn ist ein schwelendes Feuer, das er in sich trägt. Die Mutter gleicht aus, doch das genügt nicht. Erwin entwickelt eine Psychose, er hat keine Wahl: Er muss weg, in sein Auto steigen und davonfahren; er will das Spiel «Findet mich» spielen – und verliert sich beinahe selbst dabei. Dies ist der Hauptstrang des Romans, doch wir erfahren auch einiges von den aufwachsenden Kindern, von der Essstörung von Florence zum Beispiel, und auch von der Lebensgeschichte der Eltern.

Die Autorin Doris Wirth war teilweise in Winterthur zuhause, lebt heute in Berlin und legt uns einen Roman vor, der ein halbes Jahrhundert umspannt. Er hilft uns, die Gegenwart besser zu verstehen. Grosse Empfehlung!

«Findet mich» umfasst 324 Seiten und wiegt 460 Gramm.

Ruth Loosli liebt Bücher, Poesie, Geschichten und die Stadt Winterthur.

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