Ein Reiskorn auf meiner Fingerkuppe

Ein Reiskorn auf meiner Fingerkuppe

In ihrem vierten Lyrikband präsentiert die Winterthurer Autorin Ruth Loosli – wie gewohnt – einen zärtlichen, klaren und fragenden Blick auf die Welt und das Menschsein:

«Durch das Fenster – sehe ich die Unterwelt – Will dich retten doch du lachst mich aus – Mein Mund ist kaulquappig – Wir verstehen uns nicht – Durch das Fenster – sehe ich die Unterwelt.»

Eine sich in Schieflage befindende Welt und aufreibende Gesundheitszustände ziehen sich als roter Faden durch den Band, der es trotz dieser unheiteren Themen schafft, eine literarische Leichtigkeit beizubehalten, die Lust aufs Weiterlesen macht.

Die Verletzlichkeit, die Ruths Texte für mich ausmachen, ist auch in diesem Werk klar spürbar. Ruth Loosli seziert sowohl Alltägliches als auch die grossen Geschehnisse der Zeit, transformiert sie in Gedichte und Schreibbilder und lässt sie für uns Lesende und Schauende spürbar werden.

Bei ihrer Lesung in der hiesigen Stadtbibliothek bewies Ruth ausserdem, dass der Rhythmus ihrer Sprache nicht nur im geschriebenen Wort funktioniert, sondern sie auch gesprochen smooth über die Hackbrett-Begleitung von Quirin Oeschger gleiten lässt, oh yeah!

In einer Gesellschaft, die gerne so tut, als wäre die Perspektive von Frauen über fünfzig irrelevant, beweist sie mit ihrer einzigarten, präzisen Beobachtungsgabe das Gegenteil. Ein weiterer Grund, diesen Gedichtband zu lesen!

«Ein Reiskorn auf meiner Fingerkuppe»  umfasst
128 Seiten und wiegt 170 Gramm.

Jenn Unfug moderiert, schreibt, organisiert und entspannt sich in und rund um die Bereiche Queerfeminismus, Kulinarik und Erholung als Form von Widerstand.

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