«Kann sein, dass wir damit anecken»

«Kann sein, dass wir damit anecken»

30 Menschen, 30 Kunstwerke. Die Theatermaler Levin Bräu und Lukas Baumberger stellen Ende Mai im Salzhaus Porträts von Winterthurer Persönlichkeiten aus.

Levin und Lukas müssen den Mund halten. Das fällt ihnen im Interview sichtlich schwer. Immer wieder beisst sich der eine oder andere auf die Zunge. Aber das ist gut so; Sonst wäre die ganze Überraschung weg. Denn wer auf den 30 grossflächigen Porträts zu sehen ist, die sie am letzten Mai-Wochenende im Salzhaus ausstellen werden, soll bis dahin ein Geheimnis bleiben.

30 Menschen aus ihrem Umfeld haben die beiden Künstler, auch bekannt als «Nordschwarz», ausgewählt. Darunter finden sich Persönlichkeiten aus der Winterthurer Kulturszene sowie Personen, welche die Stadt im Hintergrund mitgestalten. «Es ist ein willkürliches Gemisch», sagen sie; Mit Absicht haben sie keinen bestimmten Fokus gewählt. Einzige Bedingung: Eine Verbindung zwischen ihnen und den gemalten Personen musste bestehen. Es sind Menschen, mit denen sie langjährige Freundschaften pflegen, aber auch Menschen, die eines Abends aus dem Nichts in ihrem kleinen Laden an der Neustadtgasse aufgetaucht sind.

Während sie bei ihren sonstigen Arbeiten eher ohne roten Faden arbeiten, «ist dieser dieses Mal zu finden», sind sie sich einig. Auf 80 mal 110 Zentimeter entstehen die «Body Bilder». In Stil und Technik schränken sich die beiden nicht ein: Sie malen mit Öl, auf Plexiglas oder auch mal mit Blattgold. Dabei, wobei stets ihre eigene Wahrnehmung der Person miteinfliesst. Diese Freiheit lassen sie sich nicht nehmen, fotorealistisch werden die Bilder keinesfalls. Dass sie damit durchaus anecken mögen und der porträtierten Person das Bild nicht passt, nehmen sie in Kauf: «Wir stellen die Personen so dar, wie sie auf uns wirken.» Etwas zu abstrahieren ist gut, gänzlich abstrakte Werke wird man jedoch unter den Porträts nicht finden. Dafür verantwortlich ist der handwerkliche Background, den sie als ausgebildete Theatermaler mitbringen.

Des Berufes wegen hat sich das Duo zusammengeschlossen: Kennengelernt haben sich Lukas Baumberger und Levin Bräu am Opernhaus in Zürich. Dort war Lukas der Oberstift von Levin. Heute verbringen sie im Opernhaus ihre Acht-Stunden-Tage und verschwinden nach der Arbeit ins gemeinsame Atelier, wo sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen. «Fast wie im Spitzensport», scherzen die beiden. Und gleichzeitig sei es ein Ausgleich. Denn der künstlerische Aspekt kommt bei ihnen im Berufsleben, wo sie an rund einem Dutzend Produktionen pro Jahr mitwirken, nicht selten zu kurz. Zwar kommen sie dort auf die «Handwerkskosten», aber dass sie ihre Kreativität so richtig ausleben können, geschieht eher selten. Und weil sie nicht von der Kunst alleine leben müssen, sondern am Opernhaus genug verdienen, können sie im Atelier tun und lassen, was sie wollen. Die Betrachterinnen und Betrachter entscheiden dann selbst, ob sie es mögen oder nicht. «Hauptsache machen», lautet ihr Motto – und nebenbei ihren Teil zur Kultur beisteuern sowie Feedback zu ihrer Kunst erhalten.

Im Oktober haben sie begonnen, Leute für ihr Grossprojekt anzufragen. Was einfach klingen mag, hat sich in der Praxis als ziemliche Herausforderung entpuppt: Einfühlungsvermögen und der richtige Zeitpunkt waren nötig, um ihre ausgewählten Kandidatinnen und Kandidaten nicht vor den Kopf zu stossen. Mit den Porträtfotografien von Reto Fürst hat das Projekt einen «Proficharakter» bekommen. Selbstverständlich sind auch die beiden Maler Profis. Für die meisten ihrer Modelle war es jedoch die erste Erfahrung, die Fürst mit seinem Know-How souverän handhaben konnte – und so die Gesichtsausdrücke unvoreingenommen im Moment festhielt. Diese Spontanität ist etwas, was Levin und Lukas fasziniert am Projekt. Durch das intensive Betrachten der Fotos entdecken die beiden immer wieder neue Facetten an ihren Modellen.

Wer welche Porträts malt, haben sie übrigens per Los entschieden. Nur je ein Veto konnten sie einlegen. Was ihnen aktuell an der Arbeit im Atelier am meisten fehlt, sind Rückmeldungen zu ihren Werken. Denn normalerweise erscheinen ihre Bilder nach dem Fertigstellen im Netz. Oder verschönern die Toiletten im La Cyma. Jetzt herrscht seit Dezember Funkstille; und so bleibt die Möglichkeit aus, sich über die Bilder auszutauschen. Umso mehr fiebern sie der Kunstausstellung im Salzhaus entgegen.

 

Body Bilder

Vernissage am Donnerstag, 24.Mai um 18 Uhr

Mit Live-Bands und DJs

Eintritt frei

Salzhaus

Vogelsangstrasse 6

www.salzhaus.ch

www.nordschwarz.ch

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