Auf einen Club mit Zukunft

mit Matthias Menzi

Matthias, um das Finanzierungsloch zu stopfen hat der Musikclub Kraftfeld Ende letztes Jahr ein Crowdfunding gestartet. Es sollten mindestens 60'000 Franken gesammelt werden - zum Schluss waren es 177'000 Franken. Hat euch der Erfolg überrascht?

Ja klar, wir sind mehr als positiv überrascht. 155'000 Franken waren ja das oberste Ziel, und sogar das haben wir übertroffen. Der beste Fall ist also eingetreten. Ebenso waren wir positiv überwältigt von der Anzahl Personen und Institutionen, die gespendet haben – es waren über 1'000.

Wie ist es zu dieser prekären finanziellen Lage überhaupt gekommen?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es nicht einfach ist, mit Kultur Geld zu verdienen. Erst recht nicht mit einem breiten Angebot und einem Lokal mit niedriger Besucher*innenkapazität wie bei uns. Ausserdem wollen wir niederschwellig bleiben und verlangen daher keinen hohen Eintritt. Und unser früheres Stammpublikum ist älter geworden und geht nicht mehr gleich oft in den Ausgang. Wie viele Clubs spüren auch wir das veränderte Ausgehverhalten, vor allem seit der Pandemie. So trinken unsere Besucher*innen weniger Alkohol. Es waren also mehrere Faktoren, die sich summiert haben und schliesslich zu dieser finanziellen Lage geführt haben.

Was macht ihr, damit ihr nicht wieder an denselben Punkt gelangt, und was passiert nun mit dem Geld?

Einen Teil des Geldes haben wir benötigt, um das Defizit im Geschäftsjahr 2023 zu decken. Uns ist natürlich klar, dass wir nun nicht einfach so weitermachen können wie bisher. Wir arbeiten bereits daran, unsere Abläufe effizienter zu machen und führen Controlling- Mechanismen ein, damit wir genauer und früher wissen, wann und wo wir ansetzen müssen, wenn es nicht gut läuft. Wir haben uns für diese Reorganisation externe Organisationsberatung geholt, die natürlich auch Geld kostet. Was übrig bleibt, ist ein Polster, das uns Planungssicherheit gibt. Wir können nun den Notfallmodus, in dem wir waren, verlassen und die Zukunft aktiver planen und auch in die Zukunft investieren.

Das Ausgehverhalten hat sich verändert. Warum braucht es das Kraftfeld in Winti noch?

Es ist für eine «Kulturstadt» wie Winti wichtig, dass es Orte gibt, an denen sich Menschen frei fühlen und ausleben können. Dass sich über 1'000 Menschen und Institutionen am Crowdfunding beteiligt haben, zeigt uns, dass das viele Menschen ebenso sehen. Wir finden die Tatsache, dass sich das Ausgehverhalten verändert, nicht per se schlecht und wollen mit solchen Entwicklungen mitgehen. Zum Beispiel mit dem Format «Chuchi-Party», das bereits um 21:00 Uhr startet und Personen anspricht, die etwas früher in den Ausgang gehen wollen. Ausserdem suchen wir die Zusammenarbeit mit jungen Menschen, die mit ihren Kollektiven die Partys mitgestalten können. Auch setzen wir vermehrt auf «pay what you can», so können Besucher*innen frei entscheiden, was sie bezahlen möchten.


MATTHIAS MENZI
ist Teil der Betriebsleitung des Kraftfelds und verantwortlich für die Programmation.

ANNA PFISTER
Studiert Journalismus in Winterthur und mag guten Kaffee, Reisen und Gespräche, die nicht Small-Talk sind.