Dort muss er zusammen mit anderen Jungs Löcher buddeln – dass es dabei nur vordergründig um eine Erziehungsmassnahme geht, wird den Knaben mit der Zeit bewusst. Mit «Holes» verfilmte Andrew Davis 2003 den Bestseller «Löcher» von Louis Sachar, der im Gewand einer Schatzsuche Themen wie soziale Ungleichheit, Rassismus und strukturelle Gewalt behandelt.
Der Abenteuerfilm kann mit seiner verschachtelten Erzählstruktur und den charismatischen Figuren überzeugen. «Holes» verharmlost seine schweren Themen nie und behält doch eine gewisse Leichtigkeit. Sicher, vieles wurde in den über zwanzig Jahren seit dem Erscheinen des Films interessanter erzählt – aber, dass ein Disney-Familienfilm 2003 so offen über Rassismus, Klasse und Missbrauch spricht, ist bemerkenswert.
Schlecht gealtert ist dagegen die Besetzung mit dem blutjungen Shia LaBeouf in der Hauptrolle, der nach «Holes» vor allem mit Blockbusterrollen und gspässigen Kunst-Aktionen auffiel – aber auch mit diversen Vorwürfen der häuslichen Gewalt. Unangenehm ist auch die Präsenz des feurigen Trump-Anhängers Jon Voight, der vom mandarinenfarbenen Megalomanen unlängst zum «Hollywood-Sonderbotschafter» ernannt wurde. Immerhin: Dass Voight in «Holes» einen stumpfsinnigen Cowboy mit blonder Mähne spielt, ist konsequent.
«Holes» kann man auf Disney+ streamen oder einfach in der Stadtbibliothek ausleihen.
Olivier Samter ist Co-Verlagsleiter des Coucou, freischaffender Filmjournalist und kein Fan von Shia LaBeouf.










