The Assessment (USA 2024)

Das Bild ist symmetrisch, aufgeräumt, mit äusserster Präzision gestaltet. Die Stimmung angespannt. Die Dialoge schleierhaft. Überhaupt ist alles schleierhaft, geheimnisvoll und «opaque», wie die Protagonistinnen selber das Ganze zu beschreiben wissen: «It’s just a little opaque.» – «Opaque?» – «Not opaque ... I just mean ... not clear.» – «That is what opaque means».

Wer sind denn diese perfekte Frau und dieser perfekte Mann, die diese schleierhaft perfekte Welt bewohnen? Sie, Mia, ist Biologin und züchtet Pflanzen. Er, Aaryan, ist AI-Crack und kreiert digitale Haustiere. Die beiden sind verheiratet und möchten ein Kind. Nur leben sie in einer Welt, dieser scheinbar perfekten – oder einfach nur geometrischen? – Welt, in der das nicht so einfach möglich ist. Infolge der Auswirkungen des Klimawandels, die grosse Teile der Erde unbewohnbar gemacht haben, wurde eine Parallelwelt erschaffen, die von «high privileged» Menschen wie Mia und Aaryan bewohnt werden. Hier unterliegt alles, wirklich alles, penibelster staatlicher Kontrolle – auch das Kinderkriegen. In diesem Setting wird, wer Kinder kriegen will, auf Herz und Nieren und noch sehr viel mehr geprüft. Und da kommt Virginia ins Spiel: als Gutachterin, die das Paar eine Woche lang begleitet, beobachtet und auf seine Elternfähigkeit prüft. Sie führt das siebentägige «Assessment» mit Mia und Aaryan durch.
Der Film bietet einen interessanten Ansatz, um ein zu weiten Teilen tabuisiertes Thema des imperfekten und herausfordernden Elterndaseins ad Absurdum zu führen. Herausragend spielt dabei Alicia Vikander als Virginia. Wie sie zunächst sehr kontrolliert – sie selbst ein Element des geometrischen Dekors – dem Paar intime und persönliche Fragen zu Beziehung, Sexleben und Familie stellt. Wie sie diese Kontrolle später komplett fallen lässt, dem puren Gegenteil verfällt, mit trotzig kleinkindlichem Verhalten Mia und Aaryan in den Wahnsinn treibt und deren so perfekte Welt buchstäblich zerstört.
Und ach, das schöne Set. Ungleich anderer bekannter Science-Fiction-Filmen ist es nicht trist oder steril, sondern wunderschön und farbenfroh – zu Beginn. Ja, diese wunderschöne Perfektion, die der Film nach und nach dekonstruiert. Ist sie es doch, die unser Auge von Beginn an fesselt, von der wir uns aber nach und nach lösen müssen, dem Perfektionsdrang zum Trotz.

 
Simone Grüninger ist bei Praesens Film und schaut, dass man solche Filme in den Kinos schauen kann.

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