Geistergeschichte

Geistergeschichte

In Laura Freudenthalers Roman «Geistergeschichte» geht es um Anne, die Musiklehrerin an einer kleinen Musikschule ist. Sie lebt zusammen mit Thomas ein beschauliches Leben, doch lebt sich das Paar, wie man so schön sagt, auseinander: «Anne hat sich daran gewöhnt, auch am Wochenende morgens allein zu sein.» Und tatsächlich merkt Anne an einem Morgen, als Thomas ihr ein Marmeladenbrot anbietet, und sie es unüblicherweise isst, dass es eine andere Frau geben muss, «die er vor ihr verbirgt.»

Kurze Episoden von jeweils knapp drei Seiten sind kunstvoll aneinandergereiht, sie bringen einem den Kosmos von Anne immer näher. Während eines Freijahres, in dem sie von ihrer Unterrichtsverpflichtung befreit ist, kommt sie dazu, über ihren Alltag nachzudenken. Was klischeehaft klingen könnte, ist es in diesem geglückten Fall eines Romans ganz und gar nicht: Sie kommt wieder dazu, richtig Klavier zu üben und merkt, wie der Klavierunterricht ihr die schönsten Stücke der Musik zerstört. Denn nicht die Stücke in ihrer Gänze kommen da zum Klingen, sondern die immer gleichen, kleinen und abgehackten Tonfolgen, die in den Ohren der Protagonistin nicht wie ein Stück tönen mögen.

 

Durch das Abwechseln zwischen Thomas und Annes Episoden bekommt man einen Eindruck des Nebeneinanders und des Fehlens des Miteinanders der beiden Figuren. So umspielt die beiden eine düstere Stimmung, die sich durch den Roman zieht.

 

«Geistergeschichte» umfasst 168 Seiten und wiegt 298 Gramm.

 

Claudio Notz ist Co-Präsident der Literarischen Vereinigung Winterthur.

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