Doch schnell wird klar: Eine Lückenfüllerin ist sie keineswegs. Mit ihrer humorvollen Art und herzergreifenden Stimme verwandelt sie den Konzertsaal in einen Ort voller Magie. Hier also eine Liebeserklärungan die Musik der 28-jährigen Bündnerin.
Mel ist keine Unbekannte in der Schweizer Musikszene. Als Indie-Pop-Künstlerin hat sie sich längst einen Namen gemacht, sei es als Teil des Duos Mischgewebe oder als Gitarristin in Fabers Band. Mischgewebe, entstanden 2018 für ein Tanztheater, vereint Mel Ds emotionsgeladene Stimme mit Bill Bs experimentellen elektronischen Klanglandschaften. So machen sie ihrem Bandnamen alle Ehre und schaffen eine fesselnde Mischung aus Dream-Pop und Trip-Hop. Ihre jüngste EP: «Too Tired to Fall Asleep».
Doch heute Abend steht Mel solo auf der Bühne. Und wie! Ihre sanfte und unaufdringliche Art schafft eine intime Verbindung zum Publikum, während ihre Stimme für Gänsehaut-Momente sorgt. Besonders eindrücklich ist der Moment, als sie ihre Gitarre zur Seite legt, um a cappella zu performen. Plötzlich herrscht im Saal eine fast greifbare Stille. Mel hat alle Aufmerksamkeit, und ihre Stimme – so roh und unverfälscht – trifft mitten ins Herz.
Im Mittelpunkt des Abends stehen die Songs ihrer Solo-EP «Not-Crazy», die im letzten Oktober erschienen ist. Darunter auch mein persönlicher Favorit: «Soft», der es längst auf meine Playlist «Bis bald» geschafft hat. Liebe Mel, bitte kehr bald wieder nach Winterthur zurück – diese Stadt braucht mehr von dir!
Als letzten Song des Abends performt Mel «Bring The Witches Back». Ein Ruf nach Magie in einer Welt, die sich an so vielen Tagen nur kalt und trostlos anfühlt. Sie tritt von der Bühne und bewegt sich singend durch die Menge aus dem Saal hinaus. Doch ihre Stimme verhallt nicht. Sie bleibt, als unermüdliches Echo, das sich in der Luft verfängt und uns einhüllt – wie eine flauschige Decke aus Melancholie.
Anspieltipp: «Soft».
Sophie Wagner ist freischaffende Fotografin bei Onthur und verbringt die meiste Bildschirmzeit auf Spotify – beim Erstellen und Füllen von Playlists mit besonders kreativen Namen.










