Dichtes Familientreffen

Dichtes Familientreffen

51 Prozent Spass, 49 Prozent Wettkampf: Am 22. bis 24. März finden die achten Slam-Poetry-Schweizermeisterschaften statt. Das wortgewandte Spektakel gastiert zum zweiten Mal im Casinotheater.

Poetry-Slam ist aus der Winterthurer Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Sei es der altbekannte Dichtungsring im Albani, der hochkarätige Casino-Slam oder die relativ junge Nebeneinander Poetry Slam Show – vom bierliebenden Studierenden über den Lyrik-Fetischisten bis hin zur Kulturkritikerin finden in Winterthur alle einen Spoken-Word-Anlass nach ihrem Gusto. An den Schweizermeisterschaften vom 22. bis 24 März treffen im Casinotheater alle Slam-Interessierten aufeinander – zum grossen Fest des gesprochenen Wortes.

 

Grundsätzlich passiert an den Schweizermeisterschaften nicht viel anderes als an einem üblichen Poetry-Slam. Bühnendichterinnen und -dichter performen selbstgeschriebene Texte. Dafür haben sie maximal sechs Minuten Zeit. Der Unterschied: Die Poetinnen und Poeten haben sich für die Schweizermeisterschaft qualifiziert und kämpfen in den Kategorien «Einzel», «Team» und «U20» um den begehrten Titel. Allerdings läuft eine Qualifikation nicht gleich ab wie im Sport: Mitmischen darf, wer regelmässig an Poetry-Slams in der Schweiz teilnimmt – unabhängig von Nationalität und Wohnsitz. «Diese Kriterien waren uns zu willkürlich abgrenzend und hätten zu viele Poetinnen und Poeten ausgeschlossen, die zur Schweizer Szene gehören», erklärt Mitorganisator Etrit Hasler. «Teilnahmeberechtigt sind deshalb alle, die ihren Slam-Mittelpunkt in der Schweiz haben.» Dieser Konsens wurde lange diskutiert und gilt seit der ersten Schweizermeisterschaft 2010. In der Kategorie der unter 20-Jährigen werden die Vorrunden in den einzelnen Kantonen ausgetragen, organisiert vom Verein u20 Poetry Slam, der seit 2003 in der gesamten Deutschschweiz Nachwuchswettbewerbe in Zusammenarbeit mit den Schulen veranstaltet.

 

Nicht nur die Crème de la Crème

Die Schweizer Slam-Poetry-Szene ist klein: Wenn an den achten Schweizermeisterschaften in Winterthur 40 Spoken-Word-Artists aufeinandertreffen, dann ist das nicht nur die Crème de la Crème, sondern – wie Etrit Hasler sie nennt – die ganze «Slamily». Zu ihr gehören unter anderen bekannte Namen wie Patti Basler oder Kilian Ziegler sowie weitere etablierte Künstler und Künstlerinnen, die mit eigenen Shows durch die Schweiz touren. Jede der vier Vorrunden bietet ein spannendes Line-Up: Denn hier treffen die alten Hasen auf die noch nicht so bekannten Gesichter. Egal, für welche Vorrunde man sich also ein Ticket besorgt, man wird nicht enttäuscht! Aus jeder Vorrunde gehen zwei Finalistinnen oder Finalisten hervor, welche sich am späten Samstagabend dann im grossen Finale messen. Ein weiterer Höhepunkt ist das Teamfinale am Freitagabend. Denn wenn die Bühne von zwei Dichterinnen oder Dichtern geteilt wird, erhält die Performance eine ganz andere Dynamik. Im Teamfinale treten übrigens auch Leonie Herzig (siehe Slam-Text-Bild) und Runa Wehrli gemeinsam als Team «lorem ipsum» an.

 

Eine freiwillige Familie

Die Szene sei übersichtlich, freundschaftlich und familiär. Nur bei den Meisterschaften gehe es um den Titel. «Aber auch nur zu höchstens 49 Prozent», fügt Mitorganisator und Poetry-Slam-Urgestein Patrick Armbruster hinzu. Die Meisterschaften seien eigentlich ein grosses Familientreffen. Es gehe um das Zusammensein und das Freibier, weniger um die Punkte, die man sich beim Slammen hole. Mit Familientreffen ist aber keineswegs nur der kleine Zirkel der Dichterinnen und Dichter gemeint. Zur «Slamily» gehören nämlich auch die Veranstalterinnen und Veranstalter, Helferinnen und Helfer und selbstverständlich auch die Fans. «Eigentlich nennen wir den Anlass nur Meisterschaften, damit möglichst viele an dieses Familientreffen kommen», meint Martina Hügi mit ihrer frechen Art. Die Winterthurer Slam-Poetin ist im Organisationskomitee und nimmt an den Schweizermeisterschaften seit dem Jahr 2012 teil.

 

Die deutschsprachigen Meisterschaften finden dieses Jahr übrigens auch in der Schweiz statt – nämlich vom 6. bis 10. November in Zürich – inklusive Finale im Hallenstadion. Vor lauter Wettbewerben sollte aber eines nicht vergessen gehen: «The points are not the point; the point is the poetry» – wie Allan Wolf, amerikanischer Autor und Slam-Poet, einst sagte.

 

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