Eurotrash

Eurotrash

Allzu oft fragt man sich natürlich, mit welchem Text man in 25 Jahren an die Geschichten von heute anschliessen wird – denn es gehört seit «Twin Peaks» zum guten Ton des Künstler*innentums, sich solcher Kniffe zu bedienen. Christian Kracht tut nun mit seinem neuen Buch «Eurotrash» auch einiges daran, denn dieses schliesst mit dem ersten Absatz an «Faserland» an.

Ich bin einer der wenigen Glücklichen, die sich noch eine Erstauflage seines Erstlings sichern konnten, und bewundere, wer es mir nachtut, denn solche Ausgaben sind natürlich auch inflationsfest – auch für 25, 50 oder 100 Jahre. Wie auch immer. «Faserland» erschien 1995, und erfahrene Kenner*innen durchschauten natürlich hinter der Hauptfigur den wahren Christian Kracht. Nun, in «Eurotrash» ist alles etwas offensichtlicher. Wahrscheinlich ist das grosse Publikum den Feinheiten nicht mehr gewachsen. Gleich im ersten Absatz beschreibt die erzählende Person (Christian Kracht natürlich), wie er «Faserland» geschrieben hat. Der Roadtrip ist aber dieses Mal für die ganze Familie, denn Kracht erzählt auch von seiner dementen Mutter und seinem Vater. So muss ein Roman sein: existenziell und persönlich und auf die nächsten 25 Jahre hin geschrieben.

 


«Eurotrash» umfasst 224 Seiten und wiegt 418 Gramm.

 


Gian Fermat ist Hausautor bei delirium und Gewinner des «Die Alternative»-Literaturpreises

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