Felice Lovino

Ein wahrer Ästhet

Ausgewählte Garderobe und perfekt frisierter Bart: Das sind die Markenzeichen von Felice Iovino. Seine Einstellung zum Leben widerspiegelt sich auch in seinem Kleiderladen am Kirchplatz.

Auf den schlichten Regalen liegen sorgfältig sortierte Hosen und T-Shirts. An den Stangen hängen farblich geordnete Kleider aus qualitativ hochstehenden Kollektionen ausgewählter Labels. Im «Iovino Cloth & Indigo» gibt es erlesene Garderobe für Frauen und Männer, denen Werte wie Handwerk, Nachhaltigkeit und Qualität viel bedeuten. Hinter dem Tresen des Kleiderladens steht Felice Iovino. Er trägt ein dunkelblaues Jeans-Hemd, darüber eine dunkle Weste. Der braune Stetson auf dem Kopf gibt dem Outfit das gewisse Etwas. Das gewinnende Lächeln und die ruhige Stimme heissen jede Kundin und jeden Kunden willkommen. Tritt er hinter dem Tresen hervor, kommen dunkle Hosen und elegante braune Lederstiefel zum Vorschein. Das ist der typische Iovino-Stil, ausgefallen und speziell. Eine Mischung aus Vintage und zeitloser Eleganz, der man die Qualität und Sorgfalt der Verarbeitung ansieht.

Felice Iovino verlässt das Haus nicht ohne gut kombinierte Kleidung und frisierten Bart. Geprägt habe ihn wohl sein Grossvater. «Er war ein eleganter Mann mit Gusto, der mit Stoffen gehandelt und einen Friseursalon besessen hat», sagt der gebürtige Italiener. So sorgfältig er täglich seine Outfits zusammenstellt, so sorgfältig plante er die Einrichtung seines Ladens am Kirchplatz. Der Patron hat ein Auge für schöne Dinge und einen stilvollen Geschmack. «Wenn ich von schönen Dingen umgeben bin, dann fühle ich mich wohl.» Er ist ein wahrer Ästhet.

Betritt Felice Iovino einen leeren Raum, hat er sofort die Bilder der passenden Einrichtung im Kopf. Ein Schreibtisch aus dem letzten Jahrhundert, ein dunkelbraunes Clubsofa oder ein alter Transportwagen, umfunktioniert in eine Kleiderstange, setzen Akzente im Shop. Auf die eine Wand im unteren Stock ist er besonders stolz. Da befinden sich Motorradhelme im Retrostyle und alles, was man sonst noch für den perfekten Motorradausflug benötigt. «Motorradfahren ist eine meiner Leidenschaften. Bereits von klein auf haben mich die lärmenden Maschinen fasziniert», sagt Felice Iovino. Mit 18 Jahren hat er seine erste Maschine gekauft. Mittlerweile ist er begeisterter Harley-Fahrer. Treffen ein schöner und freier Tag aufeinander, was selten vorkommt, schwingt er sich in voller Montur aufs Motorrad und braust davon.

Felice Iovinos Leben und Arbeit trennen zu wollen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das Kleidergeschäft ist ein Spiegel seines Wesens und seiner Lebenseinstellung. Oft arbeitete er Tag und Nacht, um das zu erreichen, was er liebevoll zusammengestellt hat. Das Sortiment widerspiegelt seine Einstellung zum Leben. Schnelllebigkeit ist dem Winterthurer ein Graus. Seine Taschen bedruckt er von Hand, die verkauften Kleider sollen die Kundin oder den Kunden möglichst lange begleiten. Die Labels, die Felice Iovino im Sortiment hat, stehen für Qualität und faire Produktionsbedingungen.

Entspricht ein Label nicht mehr den hohen Qualitätsansprüchen, nimmt er es aus dem Sortiment, ohne Wenn und Aber. Da ist er konsequent, denn betritt man seinen Laden, weiss man, was man bekommt. Felice Iovino kennt beinahe 80 Prozent seiner Lieferanten persönlich. Er will wissen, wo die Produkte ihren Ursprung haben. Er besucht die Produktionen und Modeagenturen, selektiert vor Ort in enger Zusammenarbeit mit dem Lieferanten. Das bedeutet viel harte Arbeit. Wenn er spätabends die Tür seines Kleiderladens am Kirchplatz schliesst, erfüllt ihn eine tiefe Zufriedenheit. «Ich habe alles erreicht, was ich erreichen wollte. Es gibt nichts, das ich noch unbedingt erlebt haben müsste.»

 

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