Wärst du Stadtpräsident*in …

… welche Massnahmen würdest du für die Kultur ergreifen?

Es mag etwas ausgefallen wirken, diese Frage Kulturschaffenden zu stellen. Doch das Coucou wäre nicht das Coucou, wenn es nicht ausgefallene Fragen stellen würde. So haben wir drei Winterthurer Kulturschaffenden aus den Sparten Film, bildende Kunst und Theater genau diese Frage beantworten lassen.
In ihren Antworten werden die Wünsche und Hoffnungen aus der Kulturbranche sichtbar und auch die Forderungen, die die Politik aus ihrer Sicht erfüllen müsste, damit Winterthur dem Titel «Kulturstadt» gerecht wird.


John Canciani
Künstlerischer Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur

Winterthur verfügt über ein breites Kulturangebot. Aber es fehlt an Möglichkeiten, dasselbe sichtbar zu machen … oder sie sind für viele Institutionen zu teuer. Als Stadtpräsident würde ich dieses scheinbar einfache Problem, das seit Jahren besteht, als erstes angehen.
Zudem: Wo Kulturstadt draufsteht, muss auch Kulturstadt drin sein. Der Wandel von der Museumsstadt zur Kulturstadt muss in der Breite vollzogen werden. Ein Kulturleitbild braucht sowohl Entwicklung als auch Vision, um zu definieren, was die geförderte Kultur für Winterthur leisten soll und kann. Die Mittel müssen bereitgestellt werden, um die Kultur für die Zukunft zu rüsten und die Marke «Kulturstadt» zu sichern. Nur so erhält Winterthur als Stadt ihr Profil.
Wenn wir Kultur als identitätsstiftenden Pfeiler unserer Stadt verstehen – und das tun wir, wenn wir von Kulturstadt sprechen –, braucht es mehr Zusammenspiel. Ich würde die Vernetzung zwischen den Kulturinstitutionen und zwischen Kultur, Politik, Wirtschaft, Stadtentwicklung und Standortförderung in Angriff nehmen. Grosses können wir nur gemeinsam schaffen.


Melanie Jovanovski
Co-Leitung des Kellertheaters Winterthur

Als Stadtpräsidentin würde ich dafür sorgen, dass während eines Jahres alle Einwohner*innen Winterthurs eine Kulturlegi und alle Kulturschaffenden und Kulturinstitutionen ein Grundeinkommen erhalten würden. Dies würde dem Publikum den Zugang zur Kultur erleichtern und den Kulturschaffenden Sicherheit und Raum geben, um Ideen auszuprobieren und neue Projekte anzugehen. Vermutlich könnte ich diese Idee nicht durchsetzen. Dann würde ich mich aber sicher dafür stark machen, dass Bildung und Kultur mehr zusammengedacht werden. Bei Sparmassnahmen fällt mir oft auf, dass es eine Rivalität zwischen diesen beiden Bereichen gibt, was überhaupt nicht sein müsste. Kultur und Bildung sollten eigentlich Hand in Hand gehen. Dementsprechend würde ich auch städtisches Personal zur Verfügung stellen, das der Integration und Vermittlung von Kultur in Schulen nachkommt. Sowieso bräuchte es mehr Fachpersonen, die den Kulturbetrieben zur Seite gestellt werden, auch in Bereichen wie Digitalisierung, Zugänglichkeit oder Nachhaltigkeit. Wir leben in einem so schnellen Wandel und in der Kultur fehlt oft das Wissen und die Kapazitäten, um den daraus resultierenden zusätzlichen Ansprüchen gerecht zu werden.


Konrad Bitterli
Direktor des Kunst Museum Winterthur

Wenn ich Stadtpräsident wäre, würde ich das Kulturbudget der Stadt Winterthur umgehend verdoppeln – zugunsten der Kulturinstitutionen, der Kulturvereine, der Kulturschaffenden und aller Menschen, die sich für Kultur engagieren und denen sie ein Herzensanliegen ist. Dies würde dann bedeuten, dass die von der Stadt in den Leistungsvereinbarungen festgeschriebenen Aufgaben der Kulturinstitutionen von der Stadt so finanziert wären, dass man sie auch erfüllen kann.
Des Weiteren würde ich die inflationäre Verwendung des Slogans «Kulturstadt Winterthur» durch die Politik einschränken. Eine wahre Kulturstadt hat, so meine Überzeugung, solche Propaganda schlicht nicht nötig. Denn Kultur wird dort selbstbewusst und selbstverständlich geschaffen, gepflegt, gelebt, vermittelt und finanziert von den Einwohner*innen, den Kulturschaffenden, den Kulturvereinen, den Kulturinstitutionen, aber auch von den Behörden und der Politik. Vor allem letztere zwei haben in Winterthur noch einiges zu leisten, um die Stadt zu einer tatsächlichen Kulturstadt zu machen.

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