Hier die Begriffe und ihre Definitionen, die wir den Parteien zukommen liessen:
ARMUTSBEKÄMPFUNG: Eine Politik, die der Überwindung der Armut in einer Gesellschaft einen hohen Stellenwert beimisst. An: Die Mitte
INDIVIDUALISMUS: Die Haltung, dass die Einzelperson in der Gesellschaft das Recht haben soll, eigene Entscheidungen zu treen. An: EVP
TRADITION: Bräuche, Lebensweisen oder Überzeugungen, die seit langer Zeit in einer bestimmten Gruppe von Menschen existieren. An: SP
INKLUSION: Eine Politik, die Menschen gleiche Möglichkeiten und Ressourcen gibt, die sonst keinen oder erschwerten Zugang zu ihnen haben. An: SVP
SICHERHEIT: Vorausschauende Massnahmen, um Gefahren vorzubeugen – bspw. in puncto Kriminalität. An: AL
SOZIALE UMVERTEILUNG: Eine neue Verteilung finanzieller Mittel bspw. durch den Staat zugunsten sozial Benachteiligter. An: FDP
FREIHEIT: Die Möglichkeit, dass Individuen so leben können, wie sie wollen, ohne zu viele Einschränkungen durch Behörden oder Regierungen. An: Grüne
DEGROWTH: Die Reduktion von Konsum und Produktion zum Schutz der natürlichen Ressourcen und der Umwelt. An: GLP
Armutsbekämpfung
Erklärt von: Die Mitte
Armut kann jede und jeden treffen. In der Schweiz haben wir ein gut funktionierendes Sozialsystem, welches Armutsbetroffenen hilft. Dabei liegt der Fokus auf der Wiederintegration in den Arbeitsmarkt respektive der Verbesserung der Einkommenssituation. Betroffene sollen ermächtigt werden, wieder finanziell unabhängig zu werden. Für die Mitte ist Hilfe zur Selbsthilfe ein wichtiges Prinzip. Ebenso müssen klassische Armutsfallen wie hohe Krankenkassenprämien und Wohnkosten angegangen werden. Die Mitte setzt sich seit Jahren gegen den Anstieg der Gesundheitskosten ein. Wohnen wird erschwinglicher, wenn Wohnraum zu günstigeren Preisen gebaut wird. Dazu braucht es bessere Rahmenbedingungen, weniger Vorschriften sowie unkomplizierte und effiziente Bewilligungsverfahren. Die Mitte setzt sich auch dafür ein, dass Genossenschaften Zugang zu Bauland bekommen. Wichtigster Grundstein gegen die Armut ist eine solide Ausbildung. Mir ist deshalb ein gutes Bildungssystem wichtig! So steigen die Chancen, ein tragfähiges Einkommen zu erwirtschaften und möglichst selbstbestimmt durchs Leben zu gehen.
Text: Andreas Geering, Stadtparlamentarier Die Mitte Winterthur
Individualismus
Erklärt von: EVP
Individualismus bedeutet für die EVP Winterthur, dass jede Person ein unverwechselbares Original ist. Wir setzen wir uns besonders für benachteiligte Menschen ein, damit auch sie – wie wir alle – ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Selbstbestimmtes Leben ist immer im Kontext der Verantwortung zu sehen. Denn persönliche Freiheit endet dort, wo es Mitmenschen schädigt oder zumindest auf Kosten anderer geht. Eigenverantwortung, die Würde des Menschen und soziale Rücksichtnahme bilden daher den Rahmen, innerhalb dessen individuelle Entscheidungen getroffen werden. Daher halten wir im politischen Alltag wenig von pauschalisierenden «Für-Alle-Lösungen» oder Angstmacherei. Mit dem Menschen als Individuum im Fokus positionieren wir uns konsequent zwischen den Polen und politisieren in Winti aus dem echten Zentrum heraus. Wir sind sicher: Durch diesen Fokus gewinnt die Gemeinschaft in unserer Stadt!
Text: Sämi Müller, Co-Präsident der EVP Winterthur
Tradition
Erklärt von: SP
Kulturelle Traditionen sind lebendige Ausdrucksformen einer vielfältigen Gesellschaft. Aus sozialdemokratischer Sicht verdienen sie Wertschätzung – nicht als starre Symbole des Gestern, sondern als gemeinschaftliche Praxis, die sich wandeln darf. Ob Casinotheater, Musikfestwochen oder Fasnacht: Entscheidend ist, dass alle Menschen Zugang zu diesen kulturellen Traditionen haben, unabhängig von Herkunft oder sozialem Status. Kultur soll verbinden, nicht ausgrenzen. Daher braucht es öffentliche Förderung, demokratische Mitgestaltung und Offenheit für neue Einflüsse. So bleibt Tradition kein Museum, sondern ein Raum, in dem Winterthur sich gemeinsam weiterentwickelt.
Text: Markus Steiner, Co-Präsident SP Winterthur
Inklusion
Erklärt von: SVP
Für die SVP bedeutet Inklusion in erster Linie, dass alle Menschen die Chance haben sollen, aus eigener Kraft am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Zentrale Voraussetzungen dafür sind eine solide Bildung, funktionierende Strukturen und klare Regeln, die für alle gleich gelten. Staatliche Unterstützung kann dort sinnvoll sein, wo echte Benachteiligungen bestehen, sie darf jedoch nicht zu Abhängigkeiten oder Ungleichbehandlung führen. Inklusion sehen wir daher weniger als Ergebnis staatlicher Umverteilung, sondern als Folge von Eigenverantwortung, Leistungsgerechtigkeit und einer starken Gemeinschaft, die Hilfe zur Selbsthilfe ermöglicht. Ziel ist eine Gesellschaft, in der Unterschiede akzeptiert werden, ohne neue Trennlinien zu schaffen.
Text: Marco Graf, Präsident SVP Winterthur
Sicherheit
Erklärt von: AL
Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis. Niemand soll in Angst leben. Das autoritäre Sicherheitsverständnis bürgerlicher Parteien setzt jedoch auf Überwachung, Polizeigewalt und Verdrängung, und verschärft damit oft genau jene Probleme, die es zu bekämpfen vorgibt. Eine ernsthafte Sicherheitspolitik setzt bei den Ursachen von Unsicherheit an. Kriminalität entsteht selten aus individueller Boshaftigkeit, sondern aus sozialen Verhältnissen: Armut, fehlende Bildungschancen, der alltägliche Druck kapitalistischer Verwertungslogik, patriarchale Gewaltstrukturen und soziale Vereinzelung in einer entsolidarisierten Gesellschaft. Die AL setzt deshalb auf eine radikal soziale Sicherheitspolitik: Wohnen, Gesundheit und Nahrung dürfen nicht der Profitlogik unterworfen sein. Bildung muss echte Teilhabe ermöglichen, statt für den Arbeitsmarkt zuzurichten. In den Quartieren braucht es nichtkommerzielle Räume, in denen Gemeinschaft, Solidarität und gegenseitige Unterstützung entstehen können. Absolute Sicherheit ist eine Illusion. Auch in der besten aller Welten werden Verbrechen geschehen. Doch sie lassen sich deutlich reduzieren, wenn soziale Ungleichheit abgebaut wird, ohne dabei Freiheit und Grundrechte einer autoritären Scheinlösung zu opfern.
Text: Rona Jung, Kandidierende AL
Soziale Umverteilung
Erklärt von: FDP
Die FDP Winterthur ist grundsätzlich gegen Umverteilung, aber für soziale Unterstützung. Wichtig ist uns, dass diese dort ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird. Wir anerkennen, dass ein verantwortungsvoller Sozialstaat Menschen schützt, die unverschuldet in Not geraten. Unterstützung soll gezielt, wirksam und nachvollziehbar sein – nicht pauschal verteilt. Ein solidarisches Gemeinwesen trägt jene mit, die in schwierige Lebenslagen geraten. Nachhaltige soziale Gerechtigkeit entsteht vor allem durch Chancen, Bildung und wirtschaftliche Freiheit. Damit dies gelingt, braucht es einen Staat, der verantwortungsvoll mit öffentlichen Mitteln umgeht und Hilfe gezielt einsetzt. Darum sind für uns langfristige soziale Sicherheit und echter gesellschaftlicher Zusammenhalt untrennbar mit Bildung, Eigenverantwortung und wirtschaftlicher Teilhabe verbunden. Wer Chancen erhält, kann sein Leben selbstbestimmt gestalten. Wir stehen für eine soziale Unterstützung, die wirksam, fair und nachhaltig ist – und Menschen befähigt, statt sie dauerhaft abhängig zu machen.
Text: Dani Romay, Stadtparlamentarier FDP
Freiheit
Erklärt von: Grüne
Oft wird Freiheit (wie oben) eng definiert und vom Individuum her gedacht. Dabei wird in Kauf genommen, dass der Freiheitsgewinn der einen auf Kosten von anderen geht – als Recht der Stärkeren, nicht als gemeinsames Gut.
Wir Grüne verstehen Freiheit umfassender: Sie bedeutet, Menschen zu befähigen, selbstbestimmt und zukunftssicher zu leben – frei von Armut, Abhängigkeiten und vor Angst, in einer zerstörten Umwelt leben zu müssen. Erneuerbare Energien etwa machen uns unabhängiger von Autokraten, Preisschocks und geopolitischen Erpressungen. Freiheit zeigt sich auch im Winterthurer Alltag: Eine Verkehrsinfrastruktur für alle Generationen und Verkehrsträger schafft neue Freiheiten. Wenn Kinder beispielsweise sicher und selbstständig
Velo fahren können, erleben sie Unabhängigkeit, erweitern ihren Lebensraum und erfahren Selbstwirksamkeit. Sie fühlen sich das erste mal frei. Wir Grüne setzen uns für eine soziale und ökologische Freiheit ein – damit alle Menschen wirklich frei sein können.
Text: Michael Zundel, Stadtparlamentarier Grüne Winterthur
Degrowth
Erklärt von: GLP
Schrumpfst Du auch seit einigen Jahren oder wächst Du noch? Es ist eine Kunst, an wahrer und nicht mehr an körperlicher Grösse zu wachsen. Und wenn etwas «Kunst» ist, sind wir bei der Kultur und beim Coucou, das auch gewachsen ist wie sein Pendant in deutscher Sprache, dem Kuckuck, der – nicht so schön – im Nest anderer Vögel gross geworden ist. Ja, was macht denn wahre Grösse in der grünliberalen Politik aus? Vielleicht die Kunst, zuzuhören, Lösungen zu suchen und Mehrheiten zu zimmern? Jedenfalls reicht es nicht, Sitze im Parlament zu besetzen, ohne sich einzugeben, sich zu engagieren und aufeinander zuzugehen. Politik wird nicht an den Polen gemacht; insbesondere Kulturpolitik braucht Sinn für das Machbare. Nüchtern ist «Degrowth» die Kunst, Konsum und Produktion zu reduzieren um die Ressourcen unserer Erde und ihre Umwelt zu schützen. Statt Wachstum wäre vielmals Gleichgewicht angesagt, auch in der Stadtpolitik, wo Du mit meiner Wahl in den Stadtrat sehr wohl dazu beitragen kannst.
Text: Urs Glättli, GLP-Kantonsrat und Stadtratskandidat


















