Alle sind so ernst geworden

Alle sind so ernst geworden

Was für eine irre Freundschaft. Benjamin von Stuckrad-Barre mochte ich ja schon immer. Name und Physiognomie wie ein alter Adliger, frisch aus der Hofreitschule, aber Texte wie auf den Bordstein ge-rotzt.Und Martin Suter, der, zuverlässig wie eine Schweizer Parkuhr, Jahr für Jahr für den Diogenes Verlag einen Bestseller rauskloppt.

Erst Psilocybin und Panaché auf der Teppichetage, dann altbackene Krimis über Gentleman-Ermittler Heino Ferch. Scheinbar sind die beiden alte Freunde. Wer dazu mehr erfahren will, kann das jetzt endlich im gemeinsamen Buch «Alle sind so ernst geworden». Während Stuckrad-Barre ja immer schon ganz Oberfläche war, hat die Presse Suter meistens eher dahinter versteckt: Haargel und Massanzüge und immer wieder die Frage nach den Jeans. Doch wer steckt eigentlich dahinter? Was ist es, was Suter im Innersten zusammenhält? Hier wird man fündig – es sind signalfarbene Badehosen. Endlich.

 

Glitzer, Gott und Ibiza. Über allerhand Themen sprechen die beiden Autoren und man fühlt sich sofort, als sitze man zwischen den beiden auf dem Sofa und beginnt ganz unwillkürlich den Kopf nach links und nach rechts zu drehen, während der eine die Sätze des anderen vervollständigt und umgekehrt. Wer ist hier eigentlich der Hohlraum, der die Stimme des anderen verstärkt, fragt man sich. Schwer zu sagen. Die beiden verschmelzen zu einer grossen literarischen Echokammer. Was will man mehr.

 


«Alle sind so ernst geworden» umfasst 272 Seiten und wiegt 290 Gramm.

 


Gian Fermat ist Hausautor bei «delirium» und Gewinner des «Die Alternative»-Literaturpreises

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