Noch ein Tod in Winterthur

Noch ein Tod in Winterthur

Im Herbst 2016 löste sie einen kniffligen Mordfall in Wülflingen. Dieses Jahr geht es gleich um zwei Verbrechen gleichzeitig. Und Moira van der Meer dehnt ihre Pflichten als Anwältin einmal mehr ins privatdetektivische hin aus.

Anwälte. Das sind gutverdienende Fachspezialisten, die sich regelmässig mit einem älteren Herrn in schwarzer Robe streiten. In einem dieser dunklen, holzgetäferten Säle, ein nervös klapperndes Protokolliergerät als einzige Geräuschkulisse.

Ganz anders verhält sich das in der Welt der Anwältin Moira van der Meer. Die Hauptfigur in Eva Ashinzes zweitem Roman «Tod in Winterthur» lebt eher nach Massstäben eines Philipp Maloney: Rauchend, trinkend und knallhart ermittelnd. Gleich zu Beginn betraut ein verzweifeltes Pärchen die Anwältin mit einem Fall: In einer Klinik für Fortpflanzungsmedizin sind gesunde Eizellen abhandengekommen. Der siebte Sinn der Anwältin meldet sich: Hier ist etwas falsch.

Doch bei einem Fall bleibt es diesmal nicht. Kurz darauf fordert eine alte Bekannte einen Freundschaftsdienst ein: Bei ihr wurde eingebrochen, der Ehemann ertappte den Täter auf frischer Tat – und wurde dabei kaltblütig erschossen. Natürlich kann van der Meer zum Mandat nicht nein sagen. Und gerät damit in ein Chaos aus vergangenen Liebschaften, verschollenen Familienmitgliedern und ihrem stetigen Feind: dem Alkohol.

 

Ein Glas zuviel

Bei diesem Chaos packt einen das Buch am meisten: Anders als beim gemütlichen Privatdetektiv, dem Zigarren und Whisky neue Energie einhauchen, verfällt van der Meer ohne Gnade diesen alles aufzehrenden Süchten. Der Abend mit dem berühmten einen Glas wird zum Saufgelage – und die Zigarette im Stau zur Qualmorgie. Realitätsnah zeichnet Eva Ashinze das Bild einer werdenden Alkoholikerin. Resultierend aus Familiendramen, einem belastenden Beruf und zerbrochenen Beziehungen.

Moira van der Meer ist deshalb aber eine interessante Protagonistin, weil sie ihre Fälle in dem Moment aufschlüsselt, in dem sie mit sich selbst am meisten ringt – und nur deshalb genug nah an Täter und Opfer gelangt, um deren wahre Absichten zu deuten.

 

Wieder was für Winterthur

Winterthurer Leserinnen und Leser dürfen sich erneut freuen: Der Krimi ist wieder gespickt mit Ortsnamen, präzisen Wegbeschreibungen und vielen Winterthurer Eigenheiten. Spätabends alleine durch die hintere Bahnhofsunterführung gehen, diejenige bei der Milchrampe – keine behagliche Vorstellung! Und wie schon im ersten Band werden einige Namen gezielt ausgespart. Und dann doch mit so präzisen Ortsangaben umschrieben, dass sich die heimischen Leserinnen und Leser genau denken können, um welche «Chnelle» es sich handelt. Schelmisches Lächeln garantiert.

 

Wie geht’s weiter?

In Eva Ashinzes erstem Krimi «Der Fall Maria Okeke» fand eine übergeordnete Handlung ihren Anfang: Dort erfuhr der Leser, dass van der Meers Schwester in Jugendtagen unter mysteriösen Umständen verschwand. Dieses Thema taucht jetzt wieder auf: Die Anwältin unternimmt erstmals Anstrengungen, um den ungelösten Fall ebenfalls aufzuklären. Auch sonst tauchen Figuren aus dem Erstlingswerk wieder auf: Ihr gutmütiger Vermieter Willy oder der Restaurantbesitzer Asim. Die Freunde van der Meers sind auch die Freunde der Lesenden. Regelmässig retten sie die Protagonistin aus ihren Absackern – und der Lesende oder die Lesende kann beruhigt aufatmen.

Übrigens: Der dritte Band der Reihe ist bereits in Arbeit. Und so viel sei schon verraten: Es geht um den Mord an einem begabten Schüler. Die Tat ist bereits gestanden – aber so einfach ist der Fall natürlich nicht.

 

 

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Viele Stunden verbringt die junge Protagonistin unterwegs – in Zügen, Bussen, zwischen der Heimat in Zagreb, Zürich, ihrem Wohnort, und Paris, wo ihr Geliebter lebt.

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