Was das Leben kostet

Was das Leben kostet

In der ersten Szene beobachtet die Ich-Erzählerin eine junge Frau, die einem älteren Mann in einer Hotelbar erzählt, wie sie beim Tauchen in einen Sturm geriet und ihr niemand half – eine Geschichte, die man auch metaphorisch verstehen kann.

Ihr Zuhörer sagt lediglich: «Du redest gern, oder?» und die Ich-Erzählerin denkt: «Für ihre Geschichte war er der falsche Leser, aber alles in allem wäre sie vielleicht die richtige Leserin für meine.»

Ihre Geschichte geht so: Mitten im Leben – sie ist um die fünfzig, ihre Töchter studieren schon – zerbricht ihre Ehe. Die Familie war ihr Lebensinhalt und jetzt ist sie orientierungslos, aber auch frei.    In einer Mischung aus Wut, Trauer, Neugierde und erfrischender Selbstironie erzählt sie von diesem Neuanfang. Sie kauft sich ein

E-Bike, fängt wieder an zu schreiben, trifft Menschen.

Die Ungebundenheit ermöglicht ihr einen genauen Blick auf die Menschen. Sie erfasst sie flüchtig, und doch sehr präzise.

«Was das Leben kostet» ist ein feministisches Buch von einer Frau, die lernen muss, die Protagonistin ihrer eigenen Geschichte zu sein. Levy zitiert berühmte Frauen wie Emily Dickinson, Simone de Beauvoir oder Marguerite Duras. Und obwohl – oder vielleicht weil – die Stimmen dieser Frauen unvermittelt und wenig subtil in den Text eingeflochten sind, verleihen sie der Geschichte Dringlichkeit. Es ist eine sprachlich brillante Trennungs geschichte ohne Gejammer, ohne Hass und ohne Pathos.

 

 

«Was das Leben kostet» umfasst 160 Seiten und wiegt 265 Gramm.

 

Martina Keller arbeitet bei den Solothurner Literaturtagen und beim Kulturamt Thurgau und organisiert Sofalesungen in Winterthur.

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Viele Stunden verbringt die junge Protagonistin unterwegs – in Zügen, Bussen, zwischen der Heimat in Zagreb, Zürich, ihrem Wohnort, und Paris, wo ihr Geliebter lebt.

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