Die Jungkunst ist zurück
Die Jungkunst ist zurück
Die Jungkunst ist zurück

Die Jungkunst ist zurück

Nach einem Jahr Pause findet vom 26. bis 29. Oktober die Jungkunst wieder statt. Obwohl keine lokale Kunst zu entdecken ist, lohnt sich ein Besuch – vielleicht zum letzten Mal im Sulzerareal.

2005 galt die Jungkunst noch als Insidertipp in Winterthur, inzwischen hat sie sich zu einem Grossanlass mit zuletzt 16'000 Besucherinnen und Besuchern gemausert. Mit der zunehmenden Bekanntheit kam auch die Kritik: Bereits bei der zweiten oder dritten Durchführung maulte die eine oder der andere Einheimische, dass sich an der Kunstausstellung für junge Schweizer Kunst immer mehr Zürcher Szenis bewegten statt der lokalen Kunstinteressierten.

Was den einen sauer aufstösst, ist für die andere Seite ein Zeichen der Strahlkraft und des Erfolgs eines Events. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass dieses Jahr rund 320 Bewerbungen eingereicht wurden, aus denen die neu zusammengesetzte Jury 27 Ausstellende bestimmen musste. Wie in den letzten Jahren sind es vielversprechende junge Kunstschaffende, die aufzeigen, welch breite Kunstszene die Schweiz zu bieten hat. Für junge Kunstschaffende, die das gewisse Etwas haben, ist die Plattform eine Chance, ein grosses Publikum zu erreichen und vielleicht vom Verkauf der Bilder Miete für ein, zwei Monate bezahlen zu können. Denn – so das Konzept der Jungkunst – für Besucherinnen und Besucher bietet sich bei der Ausstellung Gelegenheit, die in der Ikea gekauften Bilder von den Wänden zu reissen und ein Original an ihre Stelle zu setzen. Wer gleich mehrere Bilder sein Eigen nennen möchten, hat dieses Jahr beispielsweise die Möglichkeit,  die verschiedenen Werke von drei Mitgliedern der Familie Wittmer zu erwerben. Obwohl – oder gerade weil – die Auswahl anonymisiert durchgeführt wurde, stellen gleich drei Geschwister an der Jungkunst aus.

Winterthurer Kunstschaffende sucht man in diesem Jahr allerdings vergeblich. Nachdem gerade der Anfang durch das hiesige Kunstschaffen geprägt und auch in den letzten zehn Ausgaben immer vertreten war, fehlt es in diesem Jahr ganz. Gemäss den Veranstaltern schafften es mehrere junge Personen aus Winterthur auf die Watchlist – für die Ausstellung reichte es aber noch nicht. Man wolle die Kunstschaffenden zum richtigen Zeitpunkt erwischen und dann die richtige Plattform bieten, so die Jungkunst.

Dafür kommt Zürich dieses Jahr ganz offiziell im Kleid der Zürcher Hochschule der Künste an die Jungkunst: In Zusammenarbeit mit der Hochschule zeigen Game-Designerinnen und -Designer ihre neusten Würfe in fünf Schiffscontainern. Richtig gelesen: Games. Dass diese sehr kunstvoll umgesetzt werden können, wurde in den letzten Jahren immer wieder bewiesen; Game Design wird als zukunftsträchtiges Berufs- und Kunstfeld gehandelt.

Neben Kunst für den Bildschirm, für die Wohnung gibt es natürlich auch in diesem Jahr wieder ein Rahmenprogramm mit Bands und Poetry-Slammerinnen und -Slamern. Darunter Remo Zumstein, Schweizer-Meister 2016 und momentan Vize-Schweizermeister im Poetry Slam, Patti Basler und Lara Stoll. Musik gibt es von Jessiquoi, Memory of an Elephant und Annie Goodchild.

Das Konzept änderte sich über die Jahre nicht sonderlich. Dafür musste die Lokalität schon öfter gewechselt werden: Während der Anlass am Anfang noch im obersten Stock der heutigen ZHAW-Bibliothek stattfand, weilte er zwischenzeitlich in der Halle 52, um nun in die Halle 53 zu zügeln. Wo es nach der Austragung 2017 hingeht, ist noch unklar. Denn das schönste Parkhaus Europas wird schon bald einem neuen Verwendungszweck zugeführt. Ob dann noch Platz bleibt für die Jungkunst? Bis Ende August konnten Ideen für die Halle 53 eingereicht werden, bereits im nächsten Jahr soll mit der Umsetzung der neuen Idee begonnen werden – so die städtische Kommunikationsabteilung.

Wenn nun die Kunstschaffenden nicht mehr aus Winterthur stammen, der nächste Austragungsort ungewiss ist und auch die Jury-Mitglieder ihren Blick auf die gesamte Schweiz richten, was hält die Jungkunst dann noch in der Stadt? Vielleicht das Publikum? Mit einer Wintiwurst durch die ehemaligen Hallen der Industriepioniere zu spazieren, dann und wann jemanden zu begrüssen und überrascht darüber zu sein, dass Kunst nicht immer nur im Rahmen eines Museumsbesuches genossen werden kann, hält die Stadtseele sicherlich jung. Hoffen wir mal, dass das auch in Zukunft so sein wird. Reserviert ist die Halle für die Jungkunst 2018 jedenfalls bereits.

 

Jungkunst

26. bis 29. Oktober

Halle 53

www.jungkunst.ch

öffentliche Führungen

Donnerstag, 26. Oktober um 18 Uhr

Freitag, 27. Oktober um 18 Uhr

Samstag, 28. Oktober um 12 Uhr

Mehr Infos dazu gibts hier: http://jungkunst.ch/rahmenprogramm